Demonstranten vor Wasserwerfer

dpa/A3390 Kay Nietfeld

Dimensionen - die Welt der Wissenschaft

Puer robustus.
Ein philosophisches Porträt des Störenfrieds.
Von Nikolaus Halmer

In einer umfangreichen, neuen Studie des in der Schweiz lehrenden Philosophen Dieter Thomä betritt eine etwas in Vergessenheit geratene Figur nun wieder die Bühne: Der "Störenfried" oder "Puer robustus", wie er lateinisch heißt, ein sozialer Rebell mit vielen unterschiedlichen Facetten. Historisch taucht der Störenfried zum ersten Mal bei dem englischen Philosophen Thomas Hobbes auf, als "kräftiger böser Mann mit kindischem Sinn", dessen anarchisches Potenzial vom Staat im Zaum gehalten werden muss. Im 20. Jahrhundert setzten Antonio Negri oder Guy Debord die Tradition des politischen Rebellen fort. Andere Störenfriede, wie Wilhelm Tell oder Erich Mühsam, wandten sich gegen die herrschende Ordnung - mit dem Ziel, eine neue, bessere und gerechtere Gesellschaftsordnung herzustellen. Der Störenfried liebt es, gegen alle Regeln des politisch-gesellschaftlichen Ensembles zu verstoßen. Er provoziert, randaliert, hält unverschämte Reden oder agiert als Obdachloser, Punk und Steine werfender Autonomer.

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Literaturhinweise:

Dieter Thomä: Puer robustus. Eine Philosophie des Störenfrieds, Suhrkamp Verlag

Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels, Edition Nautilus

Denis Diderot: Rameaus Neffe, Reclam Verlag

Thomas Hobbes: Vom Bürger. Vom Menschen, Felix Meiner Verlag

Michael Hardt/Antonio Negri: Multitude, Campus Verlag

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