Alfred Müller

ANDREAS KUBA

Chaim Miller über Selbstjustiz nach dem Krieg

Special Agent Miller. Wie der Wiener Jude Alfred Müller zum "Inglourious Basterd" wurde. Feature von Andreas Kuba und Günter Kaindlstorfer, ausgezeichnet mit dem featurepreis '13 der Stiftung Radio Basel.

In seinem umstrittenen Weltkriegs-Thriller "Inglourious Basterds" zeigt Quentin Tarantino, wie ein jüdisches Geheimkommando im besetzten Frankreich des Jahres 1944 Jagd auf Nazis und Nazi-Kollaborateure macht. Tarantinos bizarre Story ist fiktiv. Die Geschichte des Wiener Juden Alfred Müller dagegen ist authentisch: die Geschichte eines realen "Inglourious Basterd".

Als Sohn einer sozialdemokratischen Familie im "Roten Wien" der 1920er und 30er Jahre aufgewachsen, flüchtet Alfred Müller im März 1939 nach Palästina. Seine Eltern werden von den Nazis ermordet. Doch Chaim Miller, wie er sich seit seiner Ankunft im Exil nennt, kehrt zurück. Als "Special Agent" der britischen Armee wird er Aktivist eines jüdischen Geheimkommandos. Im Herbst 1945, Millers Truppe ist im Friaul stationiert, fährt der junge Mann ein Dutzend Mal zusammen mit seinen jüdischen Kameraden nach Österreich hinüber, um hochrangigen SS- und Gestapomännern "den Prozess zu machen".

Nach dem "Prozess" werden die "Verurteilten" in der Regel vor die Hütte geführt und angewiesen, ihr eigenes Grab zu schaufeln. Dann werden sie erschossen.

Heute lebt Chaim Miller in einem Kibbuz in Israel. Auch mit Mitte neunzig arbeitet der alte Herr noch als Schlosser in der kibbuzeigenen Metallfabrik. Chaim Miller bereut nichts.

In ihrem Feature rekonstruieren Andreas Kuba und Günter Kaindlstorfer die Biographie des 96-Jährigen - die Geschichte eines realen "Inglourious Basterd": eine Geschichte von Verlust und Traumatisierung, von Widerstand, blutiger Rache und Neubeginn.

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