Graffiti an Haustüre

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Entgrenzt. Trivialisiert. Bagatellisiert

Antisemitismus im 21. Jahrhundert.
Von Tanja Malle

In der Schule, in Gedenkstätten und Museen, in den Medien: Die Folgen des Antisemitismus sind heute vielerorts Thema. Dennoch diagnostiziert der aktuelle globale Antisemitismusreport der Tel Aviv-University einen "teils dramatischen Anstieg" antisemitischer Äußerungen. Der Report wird gemeinsam mit Forschungsinstitutionen in mehr als 40 Staaten der Welt erstellt.

2017 hat man in Österreich 503 antisemitische Vorfälle registriert. 2014 waren es noch 255. Dazu zählen Beschimpfungen und Drohungen, Vandalismus und tätliche Angriffe, sowie eine Menge antisemitischer Postings im Internet. 62 Prozent der antisemitischen Handlungen können keinem ideologischen Hintergrund zugeordnet werden. 24 Prozent sind rechtsextrem motiviert, zehn Prozent islamistisch und drei Prozent links. Doch auch schweigende Demokraten sind eine Gefahr, so die These des Antisemitismusforschers Samuel Salzborn von der TU Berlin.

Im Herbst erscheint sein neues Buch über aktuelle Formen des Antisemitismus, den Salzborn mit drei Begriffen umschreibt: Er sei "entgrenzt", weil sich Antisemiten aller Couleurs zusammentun. Zudem werde dieser Antisemitismus "trivialisiert" und "bagatellisiert", wenn er sich als Israelkritik tarnt bzw. nicht allein gegen Jüdinnen und Juden wendet, sondern gegen Demokratie, Gleichheit, Rationalität und Emanzipation. - Wie könnten die Gegenmaßnahmen aussehen?

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