Hase im Sonnenaufgang

DPA/PATRICK PLEUL

Gerhard Langer über Ostern und Pessach

"Von Freiheit, Tod und Auferstehung". Mit Ostern verbindet sich eine dunkle vorurteilsbehaftete Geschichte des Antijudaismus - aber auch die jüdische antichristliche Polemik ging mit dem Tod Jesu nicht zimperlich um. Gedanken darüber macht sich Gerhard Langer, katholischer Theologe und Judaist. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Der heutige Gründonnerstag ist der Tag, an dem an das letzte Abendmahl Jesu erinnert wird. Damit verbunden ist die Einsetzung der Eucharistie, womit Jesu Gegenwart beim gemeinsamen Mahl in Brot und Wein zum Ausdruck kommt.

Nach den Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas handelte es sich beim letzten Abendmahl um ein Pessachmahl. Damit war eine massive Neudeutung von Brot und Wein verbunden. Gerade in Bezug auf die Hostie und der mit ihr verbundenen Rituale fand vor allem in mittelalterlicher Zeit eine weitere theologische Aufwertung und Neudeutung als im Zuge der im Gottesdienst vorgenommenen Verwandlung des Brotes - im Übrigen ungesäuert aus Weizen und Wasser bestehend - in den Leib Christi statt. Dieser wird nicht nur symbolisch gegenwärtig, sondern real präsent gedacht. In der Liturgie wird dieses zerbrochene Brot erhoben und als Lamm Gottes, das die Sünden der Welt fortnimmt, charakterisiert. Jesus, der sein Blut als Pessach- oder Paschalamm vergoss, heilt die Risse in der Schöpfung.

Diese Theologie konnte das Judentum naturgemäß nicht teilen, da es die messianische Erlösungsfunktion Jesu ablehnt, aber auch die jüdische Tradition entwickelte durchaus vergleichbar Rituale im Zusammenhang mit den Mazzot, den ungesäuerten Broten zu Pessach. Sie erinnern einmal an die hastige Flucht aus Ägypten, wo keine Zeit blieb, um Brot mit Sauerteig zu backen. Drei Mazzot symbolisieren u.a. die Priester, die Leviten und die gewöhnlichen Israeliten. Aus der mittleren Mazza wird ein Teil abgebrochen und versteckt und erst gegen Ende der Zeremonie verzehrt. Dieses so genannte Afikoman erinnert zum einen an das Lamm und zum anderen an den Beginn der messianischen Erlösung.

Die Entwicklung des mit ihm verbundenen Rituals vor allem in Mitteleuropa ist wohl nicht verständlich ohne eine Kenntnis und Auseinandersetzung mit der christlichen Praxis im Umgang mit der Hostie. Hostie und Afikoman sind Ausdruck eines verdeckten Dialogs zwischen Juden und Christen, eines Dialogs, der auch polemisch geführt wurde und von christlicher Seite mit schlimmsten Vorwürfen des Hostienfrevels, Verfolgungen und Pogromen an Juden verbunden war. Das Gemeinsame und Verbindende, so sieht man, ist oft das auch am meisten und mit schmerzlichen Folgen Trennende. Denn für Jüdinnen und Juden bedeutete Rettung und Erlösung über viele Jahrhunderte auch und nicht zuletzt gerade ein Ende der Verfolgung durch die Christen und eine Gewissheit, dass Gott das Leiden derer nicht vergisst, die in diesen Verfolgungen zu Tode kamen.

Übrigens: In diesem Jahr beginnt mit dem Sedermahl morgen Abend das jüdische Pessachfest.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Felix Mendelssohn Bartholdy/1809 - 1847
Album: Mendelssohn-Bartholdy: Die Werke für Violoncello und Klavier
* Adagio - 3.Satz (00:05:42)
Titel: Sonate für Violoncello und Klavier Nr.2 in D-Dur op.58
Solist/Solistin: Claude Starck /Violoncello
Solist/Solistin: Christoph Eschenbach /Klavier
Länge: 02:00 min
Label: Claves 508604

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