Weinende Frau stützt sich und wird gestützt

AFP/JOSE MIGUEL GOMEZ

Radiokolleg

Radiokolleg - Wenn die Seele schmerzt

Bewältigungsstrategien nach traumatischen Erlebnissen (1). Gestaltung: Margarethe Engelhardt-Krajanek

Keiner ist davor gefeit, jeden kann es betreffen: Ein unerwartetes, schockartiges Ereignis hinterlässt seine Spuren. Ob als Zeuge eines Verkehrsunfalls oder als Opfer von Gewalttaten: Das erlebte Trauma nimmt Einfluss auf die Psyche eines Menschen. Doch nicht jeder Mensch, der ein Trauma erlebt, erkrankt daran.

Die Verarbeitungsmechanismen sind individuell sehr unterschiedlich. Die Resilienz, die psychische Widerstandskraft eines Menschen hilft, sich vom traumatischen Erleben zu distanzieren. Entscheidend ist auch, ob ein Trauma einmalig erlebt wird oder wiederholt zugefügt wird. Auch der Kontext und die Ursachen beeinflussen den Umgang damit.

Opfer von Naturkatastrophen verkraften in der Regel diese belastende Erfahrung. Menschen, denen willentlich Gewalt durch einen anderen Menschen zugefügt wurde, erkranken öfters an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Oft treten körperliche und psychische Folgereaktionen erst Jahre nach dem Übergriff auf. Denn die menschliche Psyche ist darauf eingerichtet, möglichst rasch die basalen Funktionen wiederherzustellen.

Diese Überlebensstrategie überwindet aber nicht das traumatische Erlebnis. Gleich einem Fremdkörper wird es im Gedächtnis isoliert und abgekapselt. Ein Satz, ein Wort, ein Bild, ein Geruch, ein Ton können spontan das traumatische Erlebnis reaktivieren. Der Betroffene wird unkontrolliert von seinen Ängsten überschwemmt. Um das zu verhindern, meiden traumatisierte Menschen jede Form der Erinnerung an das Ereignis.

Viele Psychotherapeut/innen unterstützen sie darin. Denn das traumatische Erlebnis lässt sich nicht wiedergutmachen. Entscheidend ist aber, wie Menschen lernen, damit umzugehen. Traumatisierte Menschen brauchen Unterstützung. Forscher/innen widmen sich weltweit diesem Thema. Und unterschiedliche therapeutische Ansätze unterstützen die Betroffenen.

Service

LITERATUR:

Werner Bohleber, "Was Psychoanalyse heute leistet. Identität und Intersubjektivität, Trauma und Therapie, Gewalt und Gesellschaft." Klett - Cotta Verlag 2012

Clemens Hausmann, "Einführung in die Psychotraumatologie." Facultas UTB 2006

Clemens Hausmann, "Notfallpsychologie und Traumabewältigung" Facultas 2010

Michaela Huber, "Der Feind im Inneren". Junfermann Verlag 2013

Michaela Huber, "Der geborgene Ort". Junfermann Verlag 2015

Jochen Peichl, "Jedes Ich ist viele Teile. Die inneren Selbst-Anteile als Ressource nutzen." Kösel Verlag 2010

Jochen Peichl, "Die inneren Trauma - Landschaften. Borderline - Ego-State, Täter - Introjekt." Verlag Schattauer 2006

Bernd Rieken, "Schatten über Galtür. Gespräche mit Überlebenden der Lawinenkatastrophe von 1999" Waxmann Verlag 2010

LINKS:

Hemayat. Betreuungszentrum für Kriegs und Folterüberlebende

Zentrum für angewandte Psychotraumatologie ZAP

Die Möwe Kinderschutzzentrum Wien

#wetogether Institut zur Prävention von Machtmissbrauch im Sport

Sendereihe

Gestaltung