Von der Bedeutung medizinischer Grundlagenforschung

Forschen an der Basis - Med-Uni Graz eröffnet neues Otto Loewi Forschungszentrum

Bevor ein neues Medikament auf den Markt kommt, eine medizinische Untersuchungsmethode in der Klinik angewendet wird, bedarf es jahrelanger Vorarbeit. Viel Gehirnschmalz wird dabei jenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern abverlangt, die in der Grundlagenforschung tätig sind. Sie versuchen zu entschlüsseln, wie Krankheiten entstehen und welche Prozesse im Körper dabei ablaufen.
Damit im Labor nicht jede Gruppe ihr eigenes Süppchen kocht, setzt man auch hier zunehmend auf Vernetzung. Vor kurzem wurde in Graz das Otto Loewi Forschungszentrum eröffnet, das vier universitäre Einrichtungen und ein Ludwig Boltzmann Institut für Lungengefäßforschung zusammenschließt. Die Kooperation mehrerer Fachdisziplinen soll dazu dienen, Forschungsergebnisse rascher vom Labor ans Patientenbett zu bringen. "Translationale Medizin" ist der Fachbegriff für diese beschleunigte Umsetzung der präklinischen Forschung.

Forschungs-Cluster im Trend

Die Bündelung der Ressourcen und Kompetenzen in der Forschung liegt im Trend. Auch an der Med-Uni Wien arbeiten fünf Forschungscluster interdisziplinär und abteilungsübergreifend. Dass dabei Forschungseinheiten und klinische Abteilungen eng zusammenarbeiten, soll zum einen dazu führen, dass die Ergebnisse der Grundlagenforschung rasch direkt in der klinischen Praxis umgesetzt werden können. Andererseits wird bedarfsorientiert an den klinischen Fragestellungen geforscht.
Solch eine enge fachliche, aber auch räumliche Kooperation habe, so Otto-Loewi-Zentrumsleiter Herbert Strobl, durchaus seine Vorteile: "Für Theoretiker, die bislang verstreut waren, gibt es nun ein Zentrum. Da können beim Kaffeetrinken durchaus Ideen ausgetauscht werden und eine gemeinsame Identität führt auch zu offenerem Wissenstransfer."

Forschungsschwerpunkte an der Med-Uni Graz

In Graz haben sich vier Abteilungen unter einem Dach versammelt, die sich der Gefäßbiologie, der Immunologie und den entzündlichen Prozessen im Körper widmen. Schwerpunkte sind dabei die Früherkennung von Lungenerkrankungen, wie der überaus gefährlichen pulmonalen Hypertonie, die Erforschung der Funktion von Zellen der Gefäßinnenwände oder der Rolle der Lipide bei Entzündungs- und Gerinnungsprozessen. Auch die Mechanismen in Krebszellen, die Funktion bestimmter Abwehrzellen und die Wechselwirkung zwischen dem Mikrobiom im Darm und dem Gehirn wird hier näher unter die Lupe genommen.
Eine Palette verschiedener Forschungsrichtungen, durch deren enge Kooperation man große Synergieeffekte erwartet. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Lungengefäßforschung und durch die medizinische Uniklinik vor der Haustüre lassen sich rasch Gewebsproben oder Blut auf den Labortisch bringen.

Otto Loewi als Namenspatron

Das Zentrum trägt den Namen des 1873 geborenen Medizin-Nobelpreisträgers Otto Loewi, der über drei Jahrzehnte, bis zu seiner Vertreibung durch die Nationalsozialisten, in Graz gelehrt und den damals neuen Zweig der Neuromedizin mitbegründet hat.
Mit der Eröffnung des Zentrums hat die Med-Uni Graz ihre Grundlagenforschung neu strukturiert. Zwölf vorklinische Institute wurden in drei thematisch fokussierte Forschungseinheiten zusammengeführt. Neben dem Otto Loewi Forschungszentrum widmet sich das - ebenfalls bereits eröffnete - Gottfried Schatz Forschungszentrum dem Stoffwechsel und Altern, sowie der zellulären Signaltransduktion. Zudem wird es noch ein Forschungs- und Diagnostikzentrum für molekulare Biomedizin geben. Im Vollausbau ab Herbst 2022 sollen mehr als 13.000 m² an Laborfläche für die Forschung zur Verfügung stehen und mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit an der Basis letztendlich den Patientinnen und Patienten zu Gute kommen.

Moderation: Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger
Sendungsvorbereitung: Dr. Ronny Tekal
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

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Service

Univ.-Prof. Dr. Horst Olschewski
Facharzt für Innere Medizin, Infektiologie und Tropenkrankheiten, Facharzt für Pulmologie
Leiter der klinischen Abteilung für Pulmonologie
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Auenbruggerplatz 15
A-8036 Graz
Tel: +43/316/385 12183
E-MailKlin. Abteilung für Pulmonologie

Univ.-Prof. Dr. Herbert Strobl
Facharzt für Immunologie und Pathophysiologie
Vorstand Otto Loewi Forschungszentrum
Medizinische Universität Graz
Heinrichstraße 31
A-8010 Graz
Tel: +43/316/380 4290
E-Mail
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Med-Uni Graz: Otto Loewi Forschungszentrum - Eröffnung
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