Herz in Gefahr?

Früherkennungsmöglichkeiten eines Infarktes


Der Herzinfarkt ist bekanntermaßen ein Ereignis, das unerwartet und scheinbar aus heiterem Himmel auftritt. Die Überlebenschancen stehen mittlerweile deutlich besser, als noch vor ein paar Jahrzehnten. Dennoch stellt sich die Frage, ob eine derart dramatische Situation nicht bereits im Vorfeld erkannt werden kann?

Angina pectoris: Der Schuss vor den Bug?

Meist sind es Ablagerungen in den Herzkrankgefäßen, die über die Jahre zu einer schlechteren Durchblutung des Herzmuskels führen, bevor es zum Infarkt kommt. Diese sogenannte koronare Herzkrankheit (KHK) kann durchaus zu Symptomen führen und bei körperlicher oder psychischer Belastung ein Enge- und Druckgefühl über der Brust auslösen. Dieses Beschwerdebild heißt im Fachjargon Angina pectoris und wird von den Betroffenen als überaus bedrohlich empfunden. Einer kürzlich präsentierten Untersuchung (Lena-Report) zufolge tritt die Symptomatik bei vier von zehn Patienten selbst unter medikamentöser oder nach interventioneller Therapie (Dehnung. Stent, etc.) auf. Zudem ist die Lebensqualität eingeschränkt, da ein plötzlich auftretender Infarkt wie ein Damoklesschwert über den Patientinnen und Patienten hängt. Vor allem, wenn die Beschwerden auch in Ruhe auftreten (instabile Angina), muss rasch ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Da die Symptomatik bei Frauen oft unspezifisch ist - von allgemeinem Unwohlsein bis zu Übelkeit reicht - werden solche Zustände oft zu spät erkannt. Der Wunsch nach einem sicheren diagnostischen Tool, um einen drohenden Herzinfarkt vorauszusehen, ist daher mehr als nachvollziehbar.

Das Ende des Fahrrades in der Ordination?

Leider ist die Früherkennung einer KHK im klinischen Alltag nicht immer einfach. Zwar lassen sich Verengungen der Herzkranzgefäße mit einer Koronarangiografie nachweisen, allerdings kann so eine aufwendige Herzkatheter-Untersuchung nicht im bloßen Verdachtsfall zur Anwendung kommen. Zudem korreliert das Ausmaß der Verengung nicht immer mit dem Beschwerdebild.
Bis vor kurzem galt daher das Belastungs-EKG (Fahrrad-Ergometrie) als Goldstandard, um festzustellen, wie sich das Herz an vermehrte Anforderungen anpasst. In den neuesten Leitlinien der europäischen kardiologischen Gesellschaft (ESC) wird sie jedoch in vielen Fällen nicht mehr empfohlen. Die Begründung: Erstens weist diese Methode eine schlechte Sensitivität von gerade mal 50 Prozent auf. Das bedeutet, dass bei jedem 2. Betroffenen die drohende Infarktgefahr beim Belastungstest nicht erkannt wird. Damit schaffe man eine trügerische Sicherheit, wie der Kardiologe Georg Delle Karth betont.
Zweitens sind in den vergangenen Jahren bildgebende Verfahren entwickelt worden, die eine bessere Aussagekraft liefern.

Neue bildgebende Verfahren

So empfiehlt die europäische kardiologische Gesellschaft zur Erkennung koronarer Gefäßschäden eher die Stress-Echokardiografie (Ultraschallaufnahmen der Herzdurchblutung zuerst in Ruhe und dann bei körperlicher Belastung), die Stress-Kernspintomografie (magnetresonanztomographische Aufnahmen der Herzdurchblutung bei Belastung durch ein Medikament) oder die Myokardszintigrafie (durch die schwach radioaktive Substanz Technetium-99m wird die Durchblutung des Herzens mittels einer Gamma-Kamera dokumentiert).
Auch die koronare Computertomografie hat einen wichtigen Stellenwert. Die soeben publizierte SCOT-HEART-Studie legt nahe, dass bei Patienten mit stabiler Angina pectoris die Herzinfarktrate durch diese Früherkennungsmaßnahme langfristig um 40 Prozent gesenkt werden kann.
Befürworter der guten, alten Ergometrie heben indes den Vorteil der günstigen und nichtinvasiven Diagnostik hervor, die zusätzlich eine gute Aussage über die gesamte körperliche Fitness einer Person ermöglicht. Man müsse die Untersuchung nur richtig und bei einer vorselektierten Patientengruppe durchführen. Zudem sei der Stellenwert in der Sportmedizin unbestritten.

In der aktuellen Radiodoktorsendung soll geklärt werden, ob das so beliebte Fahrrad in den Arztpraxen ausgedient hat und welche Patientinnen und Patienten von den modernen Untersuchungsverfahren profitieren können.

Eine Sendung von Dr. Christoph Leprich und Dr. Ronny Tekal

Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.


Fragen:
Haben Sie schon eine Ergometrie gemacht?
Wurde bei Ihnen auch eine der neuen bildgebenden Methoden angewendet?
Vermittelt es ein Gefühl der persönlichen Sicherheit, wenn man eine solche Früherkennungsmaßnahme durchgeführt hat?
Leiden Sie an Angina Pectoris?
Haben Medikamente, Stents etc. hier zu einer Verbesserung der Symptomatik beigetragen?
Hatten Sie bereits einen Herzinfarkt und fürchten Sie sich vor einem zweiten?

Service

Priv.-Doz. Dr. Georg Delle Karth
Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie
Vorstand der 4. Med. Abt. mit Kardiologie im KH Hietzing
Wolkersbergenstraße 1
A-1130 Wien
Tel: +43/1/801 10 2512
E-Mail
Homepage

Prim. Assoc.-Prof.in Dr.in Andrea Podolsky
Fachärztin Innere Medizin und internistische Sportmedizin
Leiterin Institut für Präventiv- und Angewandte Sportmedizin
Universitätsklinikum Krems
Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften
Mitterweg 10
A-3500 Krems an der Donau
Tel: +43/2732/9004 2360
E-Mail
Homepage

Rückenwind für die Koronar-CT: Weniger Infarkte ohne Zunahme der Interventionen
Gesellschaft für Kardiologie
Österreichische Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention
Infos zu Angina pectoris (Gesundheitsministerium)
Ergometrie - Belastungs-EKG (Mini-Med)
Herz Radiologische Verfahren (Uniklinik Ulm)
Infos zur KHK (Netdoktor)
SCOT-HEART Studie zum Koronar-CT (Ärzteblatt 2018)

Dietrich Grönemeyer, "Dein Herz - eine andere Organgeschichte", S Fischer Verlag 2010

Felix Schröder, "Was das Herz begehrt: Wie wir unser wichtigstes Organ bei Laune halten",
Edel Books 2017

Stefan Waller, "Der Dr. Heart Herzcoach: Herzinfarkt verhindern, besser und bewusster leben", G&U 2017

Peter Mathes, Bernhard Schwaab, "Ratgeber Herzinfarkt: Vorbeugung, Früherkennung, Behandlung, Nachsorge, Rehabilitation", Springer Verlag 2017

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