Martin Peichl auf den Spuren des verstorbenen Vaters

"Einen Wald geerbt". Von MartinPeichl. Es liest: Michael Dangl. Redaktion: Edith-Ulla Gasser

"Alles, was man schreibt, ist auch eine Liebesgeschichte" oder "Wenn du nicht aufpasst, mache ich eine Geschichte aus dir". Sätze wie diese schreibt der Wiener Autor Martin Peichl auf mitgebrachte oder vorgefundene Bierdeckel, die er nach dem Trinken mitnimmt oder auch unauffällig im Lokal verteilt. Es gibt inzwischen eine große Sammlung dieser beschrifteten Kartonstücke - eine Auswahl daraus ist auch online zu besichtigen. Einige davon könnten in atmosphärischer Hinsicht dem heute vorgestellten Text von Martin Peichl entstammen: "Du erzählst deinen Freunden, wir hätten uns auf einer Beerdigung kennengelernt" oder: "Ich will deine Traurigkeit aus Schnapsgläsern trinken". Denn in der Erzählung "Einen Wald geerbt" geht es um einen kürzlich verstorbenen Vater, und um die Spuren, die er im Leben des Sohnes hinterlassen hat. Wenige genug, wie dieser nun feststellt, oder doch auch wieder sehr viele.

Der Text entstammt einem bis jetzt noch unveröffentlichten Roman, der im Februar unter dem Titel "Wie man Dinge repariert" in der Edition Atelier erscheinen wird. Martin Peichl wurde 1983 geboren, er lebt in Wien als Lehrer für Deutsch und Englisch, und schreibt Kurzgedichte und andere Literatur auf Twitter und auf Bierdeckel. Der aus dem Waldviertel stammende Autor errang mit verschiedenen Texten unter anderem Platz 3 beim FM4 Literaturwettbewerb 2017, war in der Shortlist zum Alois-Vogel-Literaturwettbewerb 2018, oder war stolzer Sieger der Villacher "Nacht der schlechten Texte 2018", einem auf paradoxe Weise anspruchsvollen Kärntner Literaturwettbewerb, den man nur mit einem gut durchtrainierten Ironie-Organ gewinnen kann.

Service

Die Sendung via 7 Tage Ö1 hören.

MartinPeichl, "Einen Wald geerbt", Manus, 2018

https://bierdeckelgedichte.wordpress.com/ (Bierdeckelgedichte von Martin Peichl)

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