Diagnosedämmerung

Die Krise der Psychotherapie.
Von Martin Hubert

Die Wirklichkeit wird fremd, eine Wahnwelt übernimmt: Das spricht für eine Schizophrenie, eine "gespaltenen Seele". Vor mehr als 100 Jahren fand der Begriff Eingang in die Psychiatrie. Inzwischen wachsen Zweifel an der Aussagekraft solcher Diagnosen. Einige Expert/innen kritisieren, dass die gängigen psychiatrischen Diagnosehandbücher reine Symptombeschreibungen der Erkrankungen liefern, statt sie auf Ursachen zurückzuführen.

Und fordern ein neues wissenschaftliches Fundament. Am amerikanischen Institute of Mental Health arbeitete man seit mehr als 10 Jahren an neuen Ideen. Anderen Psychiater/innen geht der Versuch, das Leiden der Patient/innen detailliert aufzusplittern, zu weit. Er sei zu biologistisch angelegt und orientiere sich zu eng am Gehirn. Wo ein ganzheitlicher Ansatz viel näher läge, zerlege der neue Ansatz den Patienten reduktionistisch in einzelne Funktionssysteme. Sie pochen auf psychiatrischen Diagnosen, die das ganz persönliche Leiden und Fühlen eines Patienten als Einheit erfassen.

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