Tristes Fenster mit schmutzigen Vorhängen

ORF/JOSEPH SCHIMMER

"Ich bin nicht ich" - Ein fremdbestimmtes Leben

"Wie kommt das Salz ins Meer" von Brigitte Schwaiger. Mit Valery Tscheplanowa, Corinna Kirchhoff, Michael König, Gertrud Roll, Peter Miklusz, Lucas Gregorowicz, Daniel Straeßer, Sabine Haupt, Peter Knaack und Markus Meyer. Ton: Martin Leitner. Bearbeitung und Regie: Elisabeth Weilenmann. Prod. ORF 2012

Sie war ohne Frage die Senkrechtstarterin der österreichischen Literatur. Mit ihrem Debutroman "Wie kommt das Salz ins Meer" landete 1977 die damals 28-jährige Oberösterreicherin Brigitte Schwaiger einen Sensationsbestseller, der sich allein im deutschsprachigen Raum hunderttausendfach verkaufte. Das Buch hatte offensichtlich den Nerv seiner Zeit getroffen.

Es erzählt die Geschichte einer jungen Frau, irgendwo in der österreichischen Provinz, die von Kindesbeinen an vor allem eines lernt: Sich selbst zu verleugnen, um den Normen und Erwartungen einer bigotten bürgerlichen Gesellschaft zu entsprechen. Eine frühe Heirat führt keineswegs zur Befreiung, sondern steigert das Gefühl der Fremdbestimmung nur. Es folgen eine Affäre, eine Abtreibung, Depressionen und schließlich die Scheidung. Eine Abfolge von Dramen und Schicksalsschlägen, von denen auch die Autorin selbst nicht verschont geblieben ist. Zunächst als literarisches Wunderkind gefeiert, landete sie später, von Depressionen und Suizidabsichten gequält, in der Psychiatrie. Im Juli 2010 wurde Brigitte Schwaiger, 61-jährig, tot in einem Nebenarm der Donau aufgefunden.

Die österreichische Autorin, Regisseurin und Hörspielmacherin Elisabeth Weilenmann hat Brigitte Schwaigers Roman für das Radio bearbeitet und als Hörspiel inszeniert. Es zeigt sich, dass die Thematik keineswegs in ihre Entstehungszeit zurückverwiesen werden kann, nach wie vor entfalten die Mechanismen von Selbstverleugnung, Repression und Unterdrückung ihre Macht ...

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