Der Selbstverkauf von Frauen

"Zimmerstunde". Von Marlene Streeruwitz. Mit Heidi Ecks, Kathrin Hildebrand, Caroline Junghanns, Hedi Kriegeskotte und Christiane Roßbach. Musik und Komposition: Martina Eisenreich. Ton und Technik: Tanja Hiesch und Martin Vögele. Regie: Bernadette Sonnenbichler. Prod. SWR 2018
(Übertragung in Dolby Digital 5.1 Surround Sound)

Die vielfach ausgezeichnete österreichische Dramatikerin und Romanautorin Marlene Streeruwitz, die sich selbst als Feministin definiert, schreibt immer wieder Hörspiele. In ihrer neuesten Radioarbeit nutzt sie das Hörspiel als genuin technisches künstlerisches Medium in seiner Rezeptions- wie Produktionsästhetik - gerade bei der Thematisierung weiblicher Identität. Ihr Stück ist für Kopfhörer konzipiert.

Für die Umsetzung einer anfänglich realistischen, zunehmend aber irritierenden und schließlich sich auflösende Identitäts- und Raumzuordnung, durch die Streeruwitz einen Moment weiblicher Freiheit jenseits der Konditionierungen aufscheinen lässt, hat die Regie konsequent die Schauspielerinnen in den realen Außenräumen und an den realen Orten agieren lassen und dies aufgenommen, um später im Studio die Ebenen ineinander zu schieben.

Marlene Streeruwitz: "Arbeit, Leben, Liebe und Trauer sind streng getrennt auf einzelne Räume aufgeteilt. In sich getrennt muss die neoliberale Person der Dienstleistungsgesellschaft in diesen Räumen entsprechend funktionieren. Diese spezifische Personenkonstruktion bestimmt in meinem Hörspiel die Herstellungstechnik. Es überträgt den gesellschaftlichen Vorgang der Festsetzung der Person in sich selbst auf die Technik. So arbeiten sich 'die Stimmen' der Person in jedem einzelnen Raum zur Erkenntnis voran, dass es im ganzen Leben nur darum ging, sich selbst zu verkaufen. Die Liebeleien der Zimmerstunden stehen für diesen Vorgang des alles erfassenden Selbstverkaufs, der belohnungslos nur mehr das Überleben sichern kann".

Marlene Streeruwitz, geboren in Baden bei Wien, zählt mit ihren ausdrücklich als feministisch ausgewiesenen Dramen und Erzählwerken zu den wichtigsten österreichischen Autorinnen. Für ihre Romane erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt den Bremer Literaturpreis (2012) und den Franz-Nabl-Preis (2015).

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