Neonbalken

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Wer reitet so spät durch Bit und Byte?

Lyrik zwischen Null und Eins
Von Volkart Wildermuth

"Die Krähe krummt schöner und freier daher", so lautet der Anfang eines Gedichts. Geschrieben hat es kein Dichter, sondern ein Computer, nachdem er sich durch riesige Lyriksammlungen gearbeitet hatte. Und das Verblüffendste: Solche programmierten Reime täuschen den menschlichen Leser und erregen echte Gefühle. Das belegt inzwischen eine ganze Reihe von Experimenten. Wer auch immer der Urheber war, die besten Verse lösen Gefühle aus. Immerhin klingen menschliche Reime verständlicher, dafür dichtet der Computer stilistisch exakter.

Genau das aber erregt die Skepsis der Kritiker und Lyriker aus Fleisch und Blut: Computergedichte seien reine syntaktische Oberfläche, es fehlt ihnen die semantische Tiefe. Und Poesie begeistere eben nicht nur, weil sie schön klingt, sondern auch wenn sie verstört oder irritiert. Deshalb stellt sich nun die Frage, für die der Dichter Rishi Dastidar folgenden Zweizeiler fand: "Neuronale Netzte ergreifen den Stift / Warum nur? fragen wir verblüfft".

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