Jacqueline Kennedy

AP/HENRY BURROUGHS

"Jackie" - Ein Porträt als Gesellschaftskritik

"Jackie". Von Elfriede Jelinek. Mit Marion Breckwoldt. Regie: Karl Bruckmaier (BR 2003).

In der Hörspiel-Version des Jelinek-Theaterstücks "Jackie" ruft die ehemalige Heroine Amerikas aus dem Jenseits die Toten an. Mit biografischen Fakten und einem permanenten Vergleich mit Marilyn Monroe, Jackies stärkster Gegenspielerin, umkreist Jelinek in ihrem Hörspielmonolog Jacqueline Bouvier (1929 - 1994), die Witwe des US-Präsidenten John F. Kennedy und des griechischen Milliardärs Aristoteles Onassis.

Jelineks Textgebilde zieht immer engere Kreise um die Person, äußert sich immer deutlicher über den Charakter Jackies und die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Zeit.

Jelineks Hörspiel wurde 2004 mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet. "Elfriede Jelineks Hörspiel 'Jackie' zeigt, was ein Autor, eine Schauspielerin (Marion Breckwoldt) und Regisseur (Karl Bruckmaier) erreichen können, wenn sie auf die Kraft des Wortes vertrauen. Mit den im technischen Sinne sparsamen Mitteln eines Monologs, doch unter Mobilisierung des gesamten Reichtums dichterischer Sprache ersteht vor uns, allein durch das zu hörende Wort, das Bild einer so genannten Person der Zeitgeschichte, das an Sarkasmus wie aber auch an menschlichem Verständnis nicht zu übertreffen ist.

Die Jackie Kennedy des Stückes von Elfriede Jelinek ist Opfer und zugleich Nutznießerin der Verhältnisse, in die sie hineingeboren ist, ihr Leben eine Tragödie wie auch ein einziger zynischer Auftritt um ein existenzielles Nichts herum. Die Dichterin leiht dieser Jackie ihre unbarmherzige Intelligenz für die Durchleuchtung ihres Lebens, und bei der müden Intonation dieses Selbstbespiegelungstextes lernen wir mehr als aus psychologischen oder soziologischen Untersuchungen etwas über die Inszenierung von Existenzen im dauernden Scheinwerferlicht der Medien.

Eine Tote und Untote, ein Mediengespenst und ein Zombie spricht mit wegwerfender Kälte zu uns, doch so widerfährt Jacqueline Kennedy mehr Gerechtigkeit als durch sich einschmeichelndes Verständnis oder Gesellschaftskritik: Kritisiert werden hier nicht zuletzt die voyeuristischen Konsumenten dieses Schicksals".

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