Verschiedene Stoffe, unterschiedliche Farben

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Brigitte Schwens-Harrant über den Welttag der kulturellen Vielfalt

"Mind the Gap". Brigitte Schwens-Harrant, Feuilletonchefin der Wochenzeitung "Die Furche" und Buchautorin, geht wichtigen Fragen nach, etwa wie Gerechtigkeit in Form von gegenseitiger Anerkennung gelingen kann. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Zu den literarischen Entdeckungen, die ich im vergangenen Jahr gemacht habe, gehören vor allem die großartigen Erzählungen der amerikanischen Schriftstellerin Flannery O'Connor.

In ihrer 1955 erschienenen, beklemmend aktuell anmutenden Erzählung "Der Flüchtling" (im Original "The Displaced Person") kommt eine polnische Familie auf die Farm von Mrs McIntyre. Die Angestellte Mrs Shortley ist nicht bereit, sich die Namen der Fremden zu merken, wundert sich aber, dass sie aussehen wie andere Leute auch. Sie fragt sich: "Wenn sie von dorther kamen, wo ihnen solche Sachen angetan worden waren, woher wusste man dann, ob sie nicht von der Sorte waren, die so etwas anderen auch antun würden?" In ihrer Schreckensvision sieht sie schon "zehn Millionen Milliarden Fremde" in die Arbeitsstellen drängen und dass die Schwarzen sich dann andere Arbeitsplätze suchen müssen. Diese Befürchtung teilt sie ihnen dann auch mit.

Langsam und stetig träufelt das Gift ihres Sprechens in das Denken der Umgebung, während man vom Denken der Zugereisten selbst überhaupt nichts erfährt. "Sie fand, es müsste ein Gesetz gegen sie geben. Es gab keinen Grund, warum sie nicht dort drüben bleiben und den Platz von ein paar derjenigen einnehmen konnten, die in ihren Kriegen und Gemetzeln umgebracht worden waren", denkt Mrs Shortly.

Mrs McIntyre, die Farmerin, ist auch nur auf den ersten Blick gastfreundlich. Immer deutlicher wird ihr ökonomisches Nutzendenken und der Unwille, Verantwortung zu übernehmen.

"Flannery O'Connor hat in ihrem schmalen Werk mit großem Einfühlungsvermögen und Verständnis über die Figur des Fremden, des Ausgestoßenen, des Andersartigen geschrieben, lobt Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison ihre Kollegin. So finde sich in ihrer Literatur "eine scharfsinnige und präzise Schilderung, wie das Bild des Fremden konstruiert wird und welchen Nutzen es seinen Verfertigern bringt." Damit betont Morrison zwei konstitutive Elemente des Rassismus: Rassismus ist eine Konstruktion - und er wird nicht ohne Interesse konstruiert. Und Ausschließung und Abwertung geschehen auch bei O'Connor zunächst und vor allem durch Sprache. Ihre Erzählungen sind für mich - neben vielem anderen - daher auch Schulungen. Sie lehren sehen, was passiert, wenn man über andere redet, und wie entscheidend ist, wie man das tut.

Service

Flannery O'Connor, "Keiner Menschenseele kann man noch trauen. Storys", Verlag Arche
Brigitte Schwens-Harrant, Jörp Seip, "Mind the gap. Sieben Fährten über das Verfertigen von Identitäten", Klever Verlag

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: George Gershwin/1898 - 1937
Bearbeiter/Bearbeiterin: Chris Botti
Album: A DIFFERENT PRELUDE - A CONTEMPORARY COLLECTION
Titel: Prelude für Klavier Nr.2 / Jazz Bearbeitung für Trompete, Gitarre, Baß und Drums
Solist/Solistin: Chris Botti /Trompete
Ausführender/Ausführende: Dominic Miller /Gitarre
Ausführender/Ausführende: Christian McBride /Bass
Ausführender/Ausführende: Manu Katche /Drums
Länge: 04:10 min
Label: Decca 4658192

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