Sackgassenschild

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Ö1 Kunstsonntag: In der Sackgasse

Das Ende ist ein Anfang

Zu Beginn des heutigen Kunstsonntags steht ein interdisziplinärer Grenzgang auf dem Programm: Der Bassist und Komponist Gregor Aufmesser hat sich in seinem musikalischen Schaffen mit vier Teilbereichen der Physik auseinandergesetzt, nämlich mit der Mechanik, der Thermodynamik, der Relativitätstheorie und der Quantentheorie. Dieser Ausflug in die Gefilde der exakten Wissenschaft manifestiert sich denn auch in den Titeln wie etwa: "Particle Oscillation" oder "Quants, Quants". "Klingt so Physik?" könnte man sich fragen. Die Antwort gibt das Septett "Aufmessers Schneide" in der Ö1 Radiosession mit Klaus Wienerroither.
Die Tonspuren führen uns heute in eine vergangene Epoche, ins England des frühen 19. Jahrhunderts. Wie viele Damen ihrer Zeit war auch die Schriftstellerin Jane Austen eine versierte Klavierspielerin. In ihrem Wohnhaus im englischen Chawton, wo sie ihre letzten Lebensjahre verbrachte, pflegte Austen regelmäßig mit Familienmitgliedern und Freunden zu musizieren. Einer ihrer Lieblingskomponisten war der im österreichischen Ruppersthal geborene Ignaz Pleyel. Dessen Stücke hat möglicherweise auch Austen gespielt, wenn sie nicht gerade an einem ihrer Romane schrieb. Etwa an "Stolz und Vorurteil" - ein Klassiker der englischen Literatur und wohl auch eine der populärsten Liebesgeschichten aller Zeiten. Julia Reuter hat sich für die Tonspuren nach England aufgemacht, um dort mehr über die Autorin von "Stolz und Vorurteil" zu erfahren.
Die Milestones widmen sich heute einer eben großen wie rätselhaften Musikerpersönlichkeit. Der britische Sänger und Komponist Mark Hollis, manchen vielleicht auch noch als Frontmann der Synth-Pop-Band "Talk Talk" in Erinnerung, bekannte einmal: "Die Stille steht über allem. Ich würde lieber nur einen Ton hören als zwei. Und selbst diesen einen Ton sollte man nur dann spielen, wenn es nicht anders geht." Hollis machte diese Verzichtserklärung auch zum Leitfaden seiner musikalischen Karriere, er verstummte im Jahr 1998, wandte sich im Alter von nur 43 Jahren vom Popbusiness ab - und kehrte nie wieder zurück. Helmut Jasbar wirft einen persönlichen Blick auf Hollis legendäres und einziges Soloalbum. Der Vorbote seines Verschwindens.
In der Reihe Kunstgeschichten, die noch bis Ende des Jahres literarische Texte zu bildender Kunst bringt, geht es heute um sakrale Kunst. Genauer gesagt, um eine Installation, die sakrale Kunst verwendet und in etwas Neues verwandelt. Der Tiroler Autor Bernhard Kathan nennt seinen Text nach dem Kunstobjekt, das er in den Neuen Texten um 21:40 Uhr beschreibt. "Your Own Personal Jesus".
Eine Reise erwartet die Ö1-Hörer auch im zweiten Teil des heutigen Kunstsonntags: Die Jet Lag All Stars sind mit ihrem Navi unterwegs, um endlich das gesuchte Ziel zu finden - und manövrieren sich ein ums andere Mal in eine Sackgasse. Das ist natürlich kein Zufall, das Ende kann bekanntlich ein Anfang sein. Man muss sich nur umdrehen. Was das Bestattungsunternehmen Himmelblau mit Haydns Symphonie Nr.45 in fis-Moll zu tun hat, ist ab 22.08 Uhr in der Jetlag All Stars Radio Show zu erfahren.
Ein Baum im Garten ist für die einen ein Schattenspender, für die Nachbarn jedoch ein Lichtdieb. Ein lächerlicher Konflikt, möchte man meinen - in der am Freitag angelaufenen isländischen Tragikomödie "Under the tree" kommt es jedoch zur Eskalation, die das Leben zweier Familien zerstört. "Unterkühlt" und "stereotypen-zertrümmernd", nannten die Kritiker den Film und schwärmten von einem Humor, "so trocken, dass er kaum mehr als solcher wahrnehmbar ist". Nicht der erste isländische Film, dem derartige Attribute zugeschrieben werden. Was also macht sie so besonders, diese eiskalten Filme aus Island? Wolfgang Popp hat für das heutige ZOOM-IN einen Blick in den hohen Norden geworfen.
Auch Radiokunst - Kunstradio zieht es heute nordwärts, genauer: nach Glasgow zu einem schottischen Radiokunstfestival. Radiophrenia ist eine Radiostation auf Zeit, ein akustisches Popup, wenn man so will - jedenfalls eine zweiwöchige Erkundung aktueller Trends in der Radiokunst und der Sound Art. 24 Stunden am Tag sendet die Station live aus dem Center for Contemporary Arts in Glasgow. Was man da zu hören bekommt, ist neu, avantgardistisch und bisweilen auch radikales Radio.
Das erste Mal ging Radiophrenia im April 2015 auf Sendung, heuer fand das Festival vom 13. bis zum 26. Mai statt. Studio-Shows, Features und Live-on-air-Performances standen auf dem Programm - und nicht zuletzt auch vierzehn Auftragsarbeiten, zwei davon in Ko-Produktion mit dem Ö1 Kunstradio. Und genau die gibt es in der letzten Stunde des heutigen Kunstonntags zu hören. Kunst fürs Ohr: Zwei neue Stücke von Hannah Ellul und Kari Robertson.

Sendereihe

Gestaltung

  • Robert Czepel