Elena Holzhausen

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Elena Holzhausen über Fronleichnam

"Ein Fest im Spannungsfeld zwischen Glauben, Macht und Erneuerung". Ausgangspunkt der Reise von Elena Holzhausen, Diözesankonservatorin der Erzdiözese Wien, ist nicht die theologische Ausdeutung des Festes, sondern immer das Tun der Menschen. - Alexandra Mantler

Platz für innere Bilder

Mit Prozessionen im Freien feierte die katholische Kirche gestern Fronleichnam. Ein buntes Fest mit Fahnen, Musik und geschmückten Altären.

Diese Tradition ist prägend für die kollektive Vorstellung von diesem Fest: Ein Fest des Schauens, ein Fest der Bildlichkeit. Durch die Nutzung des öffentlichen Raums konnten aber auch politische Intentionen mit jenen der Religion unheilvoll verschränkt werden. Auch der Aberglauben nährte sich aus diesem Fest. Deshalb lehnte es die Reformation und auch die Aufklärung ab. Es gibt aber auch ganz andere Formen der Visualisierung von Fronleichnam.

Die 1930 von Rudolf Schwarz errichtete Pfarrkirche St. Fronleichnam in Aachen ist eine davon. Heute ist dieser Bau eine Ikone der Architekturgeschichte. Damals war er nur revolutionär. Denn er war bildlos, schmucklos und völlig ungewohnt. Die Kirchenleitung in Köln ließ sich nur mühsam von diesem Projekt überzeugen und wählte den sperrigen Namen. Denn dieser Bau sollte ein Ort der Eucharistischen Frömmigkeit werden. Der Gegensatz zwischen dem Fest und der St. Fronleichnamskirche konnte aber nicht größer ausfallen. Groß, weiß und beinahe kahl steht St. Fronleichnam in einem Arbeiterviertel der alten Kaiserresidenz. Über einem rechteckigen Grundriss erheben sich die weißen Wände. Im Inneren fällt das Licht durch hohe, fast quadratische Fenster von einer Seite in den Raum.

Der Architekt Rudolf Schwarz versuchte die Sphären des Irdischen mit jenen des Himmels zu verbinden. In diesem Versuch näherte er sich bauend, suchend der Mystik an. Denn durch den Verzicht auf bildliche Narrative wird der feiernden Gemeinde und jedem Besucher die Chance gegeben, die eigenen inneren Bilder zu entdecken, diese zu reflektieren und vielleicht sein Gottesbild zu weiten. Für mich ist St. Fronleichnam nicht die Negation von Bildlichkeit, und auch keine Negation von Glaubensinhalten, sondern ihr Gegenpol. So wie das Schweigen in einem Gespräch der notwendige Gegenpol zum Sprechen ist. Denn nur im zuhörenden Schweigen kann das Gesagte aufgenommen und reflektiert werden. Wenn Schweigen und Sprechen einander bedingen, entsteht fruchtbringender Dialog.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Jordi Savall
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: anonym/15.Jhd.
Gesamttitel: JEANNE LA PUCELLE / Original Filmmusik
Titel: Ballade de la Pucelle : Generique de fin I - nach der Weise "L'homme arme" und einem anonymen Dichter des 15.Jhd.
Untertitel: LA DELIVRANCE D'ORLEANS
Chor: La Capella Reial de Catalunya
Ausführende: Hesperion XX
Leitung: Jordi Savall
Länge: 02:00 min
Label: Travelling Auvidis / Extraplat

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