Drei Geistgesichter

AP/JENNIFER FORKER

Amadeus Quartett forever

mit Mirjam Jessa. Von Gott geliebt: Das Amadeus Quartett

Im Internierungslager für feindliche Ausländer auf der Isle of Man begegneten sie einander zum ersten Mal, drei ambitionierte jüdische Geiger aus Wien: Norbert Brainin, Siegmund Nissel und Peter Schidlof. Sie alle lernten nach ihrer Freilassung bei dem großen Geiger, Bratschisten und Violin-Pädagogen Max Rostal, der selbst Schüler des prägenden ungarisch-jüdischen Carl Flesch gewesen war. Bald darauf stieß der englische Cellist Martin Lovett zu ihnen und Peter Schidlof, ein herausragender Geiger, wechselte zur Bratsche. Bereits 1947 gaben sie ihr erstes Konzert noch als Brainin Quartett. Ein Jahr später, am 10. Jänner 1948, folgte das Debüt als Amadeus Quartett in der Wigmore Hall in London. Der Rest ist - wie es so schön im Englischen heißt - Geschichte, eine 40 Jahre währende Erfolgsgeschichte.

Unverwechselbar, sofort wiedererkennbar ist ihr Klang, den große Innigkeit auszeichnet, eine beherzte, leidenschaftliche Spielweise, ausdrucksstark und beseelt. Stets sind nicht nur diese vier großen Musiker spürbar, sondern die vier Menschen dieser einzigartig glücklich gefügten Schicksalsgemeinschaft. Heute lebt nur mehr der Cellist Martin Lovett. Im Booklet zur neuen Gesamtaufnahme bei der Deutschen Grammophon schreibt Lovett: "Es gibt da dieses Bonmot über die Definition eines Streichquartetts. Demnach möchte die erste Geige eigentlich lieber ein Solist sein, die zweite Geige möchte die erste Geige spielen, der Bratscher möchte lieber Geige spielen und der Cellist hasst sie alle. Nun - ich habe die anderen nicht gehasst, ich habe sie geliebt. Wir waren wie Brüder. Und als das einzige noch lebende Mitglied, habe ich nun keine Brüder mehr".

Aber Hugo Brainin, der Bruder des so charismatischen Primarius des Quartetts Norbert Brainin und Günter Pichler, Primarius des Alban Berg Quartetts, wissen vieles zu berichten, was in Büchern und Artikeln nicht zu finden ist. Gemeinsam versuchen wir zu ergründen und hörend zu begreifen, was es denn sein könnte, was uns so ergreift, bis heute ergreift und tief berührt, wenn wir Aufnahmen des Amadeus Quartetts hören. Wie dieser Klang zustande gekommen ist und wer die drei waren, die vor rund 70 Jahren aus Wien fliehen mussten und später die Welt so reich beschenkt haben.

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