Zwei Touristinnen in Stockholm

AP/JESSICA GOW

Arnold Mettnitzer über das Reisen

"Vom Reisen". Arnold Mettnitzer, Psychotherapeut und katholischer Theologe, führt diese Woche nach Amalfi, Lissabon, Santiago de Compostela, Stockholm, Moskau und Jerusalem. - Gestaltung: Alexandra Mantler.

Wer von seinen Reisen zu erzählen beginnt, versucht mit anderen zu teilen, was er dabei im besten Sinne des Wortes "erfahren" hat; dass das aber im Grunde nicht geht, nehmen wir dabei in Kauf; denn unsere erlebten Geschichten können wir nie zu Erlebnissen anderer Menschen machen.

Eine Mystikerin vermutet, dass unsere Erfahrungen das sind, was man früher "Seele" genannt hat, die Mitte unseres Wesens, die Schatzkammer, in der sich alles sammelt und nichts vergessen wird, was uns bei den Wanderungen durch das Leben berührt und unter die Haut geht.

Der biblische Mensch begreift sich als "Umherirrender" (Dtn 26,5-9), als Nomade, auf der Suche nach einem Ruheplatz am Wasser (Ps 23,3). In all meinen Reisen bin ich in diesem Sinne der "homo viator", einer, den es hinaustreibt ins Weite, der Ausschau hält nach Plätzen in dieser Welt, die ihm zumindest für einen Augenblick ein kleines Stück vom Himmel hier auf der Erde versprechen...

Wie jene zwei Mönche, von denen erzählt wird, sie hätten sich aus ihrer Klosterzelle aufgemacht, wären durch die ganze Welt gezogen, um jene geheimnisvolle Tür zu finden, hinter der sich für sie der Himmel auftut! - Am Ende ihres langen Wanderweges wären sie endlich ans Ziel ihrer Reise gekommen, hätten erwartungsvoll das Tor aufgestoßen und wären in der Klosterzelle gestanden, aus der sie vor Jahren gemeinsam ausgezogen waren.
Schon vor 500 Jahren spottet Paracelsus über seine Zeitgenossen, die abwechselnd nach Antwerpen, Venedig, Frankfurt und Brüssel "rennen", weil sie jeweils davon überzeugt sind, dort liege das Heil der Welt. Meine Sehnsucht nach fremden und fernen Gegenden erfüllt sich erst dann, wenn ich dadurch den Frieden und die Schönheit in den eigenen vier Wänden wieder zu sehen und zu genießen vermag.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Antonin Dvorak/1841 - 1904
Titel: Symphonie Nr.9 in e-moll op.95
* Adagio. Allegro molto - 1.Satz (00:09:08)
Populartitel: Aus der Neuen Welt
Orchester: London Symphony Orchestra
Leitung: Eugene Ormandy
Länge: 09:08 min
Label: Sony SBK 46331

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