Geschichten, die sich selbst erzählen

"Aufzählung von Wundern". Von Dzevad Karahasan (Ausschnitt). Aus dem Bosnischen übersetzt von Katharina Wolf-Grießhaber. Es liest Joseph Lorenz. Gestaltung: Gudrun Hamböck.

Seine Frau Andja ist tot und Karlo versucht die gemeinsamen Gewohnheiten beizubehalten, um nicht den Verstand zu verlieren. Bilder, Stimmen und Erinnerungen strömen auf ihn ein, vieles davon kommt ihm fremd vor, nie erlebt. Deshalb geht er - obzwar lustlos - zu den alten Kumpanen ins Kaffeehaus und hört sich ihre ewig gleichen Geschichten an, Geschichten, die sich mittlerweile selbst erzählen.

Der 1953 in Duvno in der Herzegowina geborene Dzevad Karahasan ist Dramaturg und Literaturwissenschafter und gilt als der wichtigste lebende bosnische Autor. Seit den Jugoslawienkriegen lebt er abwechselnd in Sarajevo und Graz. Neben Erzählungen schreibt er Romane, Theaterstücke und Essays.

"Ein Haus für die Müden" ist ein Kaleidoskop aus Geschichten kleiner Leute aus Sarajevo und Duvno, die zwar zusammen das Bild der großen Unheilsgeschichte des westlichen Balkans im 20. Jahrhundert ergeben, im Detail aber mit tragischem Witz von der Fantasie als Überlebenskraft erzählen.

Service

Dzevad Karahasan, "Aufzählung von Wundern" aus "Ein Haus für die Müden". Fünf Geschichten. Aus dem Bosnischen von Katharina Wolf-Grießhaber. Suhrkamp Verlag, 2019.

Sendereihe

Gestaltung

Übersicht