Wie alt sind Sie wirklich? +++ Lebensverlängernde Nahrungsmittel

1. Sind Sie wissenschaftlich betrachtet tatsächlich so jung, wie Sie sich fühlen?

Oder schlimmer: So alt.
Sie haben sicher schon den Begriff biologisches Alter gehört. Manche Leute haben das Glück, dass ihr Körper jünger und fitter ist, als das Geburtsdatum verrät. Sie haben sich also "gut gehalten" und strotzen auch mit 80 noch vor Vitalität.
Bei anderen ist es umgekehrt - sie bekommen schon mit Mitte 50 einen Sitzplatz in der Straßenbahn angeboten.
Die junge Disziplin der Alternsforschung untersucht, wie man den biologischen Alterungsprozess verlangsamen kann. Dazu ist es nötig, einen Standard, an dem man sich orientieren kann, festzulegen - eben das biologische Alter. An dieser Größe kann man dann erkennen, ob und welche Maßnahmen das Leben tatsächlich verlängern können.
Um das biologische Alter festzulegen werden u.a. Parameter wie Ernährung, Bewegung, BMI, Blutdruck und genetische Faktoren zusammen betrachtet. Julia Geistberger hat mit Dipl.-Ing. Dr. Markus Schosserer vom Institut für Biotechnologie an der Wiener Universität für Bodenkultur darüber gesprochen, was das biologische Alter bestimmt und wie man es messen kann.

2. Ein Foodblog der anderen Art - Mission Lebensverlängerung

Fasten geht auch ohne zu hungern! Glauben Sie nicht? Dann besuchen Sie den Food Blog "Ring's health kitchen". Hier erfährt man, wie man fastet, indem man isst. Die beiden Schwestern, Dr. Julia Ring, Molekularbiologin an der Universität Graz und Dr. Anna Grötschnig, Ärztin an der Geriatrie des Klinikums Klagenfurt, verbinden auf ihrem Blog kulinarischen Genuss mit neuesten Erkenntnissen aus der Wissenschaft. Das Resultat: Kochen mit Spermidin. Wie der Name verrät, ist Spermidin in hoher Konzentration in der Samenflüssigkeit enthalten - dort wurde es auch 1678 erstmals gefunden. Die Weltkarriere begann aber erst vor etwa zehn Jahren. Denn 2009 wurde an der Grazer Uni entdeckt, dass Spermidin auf den Organismus wie Fasten wirkt. Und zwar indem der vermehrte Verzehr von spermidinreicher Kost den Selbstreinigungsprozess der Zelle, die Autophagie, anregt. So werden fehlerhafte oder nicht mehr benötigte Zellbestandteile abgebaut und verwertet. Dieser für die Zellgesundheit so wesentliche Prozess verliert im Alter an Effizienz. Es kommt zu Ablagerungen in den Zellen, wodurch Diabetes, Tumoren, Demenz und Atherosklerose begünstigt werden. Nun wird geforscht, ob die vermehrte Aufnahme von Spermidin neue Möglichkeiten im Kampf gegen diese Krankheiten bietet. Bei Hefen und Fruchtfliegen funktioniert das beeindruckend.
Aktuell findet an der Charité in Berlin eine groß angelegte Studie mit Menschen statt, die unter anderem die Wirkung von Spermidin auf die kognitive Leistung von Probanden untersucht. Bis die Wissenschaft weitere Erkenntnisse liefert, kann man sich die Zeit auf gesunde Weise mit dem Nachkochen von leckeren, spermidinreichen Rezepten von "Ring's health kitchen" vertreiben. Ein Beitrag von Johanna Hirzberger.

"Ruck-Zuck-Eintopf" (fertig in 30 Minuten für 2-4 Personen)

100 g Brokkoli, 100 g Pilze, 300 g Bohnen aus der Dose (Sojabohnen, kleine weiße Bohnen, Wachtelbohnen), 100 g Erbsen (Dose oder tiefgekühlt), 150 g Erdäpfel, 1 Stangen Stangensellerie, 2 große Karotten, 50 g Dinkelschrot,
1 kleine½ Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, 1 Lorbeerblatt, Salz + Pfeffer + Gewürze + Zitronenschale + 1 Schuss Essig, 2 EL Öl, 1 Stückchen Butter (1 EL), 1 EL Mehl (Einbrenn).

Zubereitung:
Karotten und Erdäpfel schälen und in etwa einen halben Zentimeter dicke Stücke schneiden. Brokkoli waschen, Pilze säubern - beides in mundgerechte Stücke schneiden. Zwiebel und Stangensellerie fein hacken. Sojabohnen, Wachtelbohnen, kleine weiße Bohnen aus der Dose im Sieb abspülen. Knoblauch hacken.
In einem großen Topf mit Öl Zwiebel, Sellerie und Pilze glasig dünsten. Knoblauch hinzufügen und kurz mitbraten. Mit 1 Liter Brühe ablöschen. Erdäpfel, Brokkoli, Karotten, Erbsen, Bohnen und Dinkelschrot hinzufügen. Mit 1 Lorbeerblatt, Salz, Pfeffer und Gewürzen (z.B. etwas Majoran, Petersilie, Rosmarin, Thymian, Liebstöckel würzen und 20 Minuten köcheln lassen. Mit einem Schuss Essig und Zitronenschalenabrieb abschmecken.
Einbrenn mit 1 EL Butter und 1 EL Mehl, gut rühren bis es etwas Farbe bekommt. Dann (unter Rühren!) mit Brühe ablöschen, sodass keine Klümpchen entstehen. Den Eintopf mit der Einbrenn unter Rühren nochmal aufkochen lassen. Fertig.
Dazu passt hervorragend eine Scheibe Vollkornbrot (mit Cheddar) ... und natürlich passen in den Eintopf Würstchen jeglicher Art.

Redaktion: Christoph Leprich und Nora Kirchschlager

Service

1. Biologische Alter:

Interviewpartner:

Dipl.-Ing. Dr. Markus Schosserer, Institut für Biotechnologie - BOKU Wien

Info-Links:

Forschungsgruppe Biologische Alterung - Grillari Labs an der BOKU Wien
Vienna Institute of Biotechnology
Altersmerkmale sind veränderbar
Wir sind so alt, wie unsere DNA sich fühlt
ÖPIA - Österreichische Plattform für Interdisziplinäre Alternsfragen
Altersmedizin - Was die Hände verraten

2. Spermidin:

Interviewpartnerinnen:

Dr.in rer.nat. Mag. Julia Ring
Institut für Molekulare Biowissenschaften
Karl-Franzens-Universität Graz
E-Mail
Homepage

Dr.in Anna Grötschnig
Abteilung für Akutgeriatrie/Remobilisation
Klinikum Klagenfurt am Wörthersee
E-Mail

Bio Bauernhof Urbanschitz, Fam. Grötschnig

Anlaufstellen und Info-Links:

Food-Blog Ring's Health Kitchen
Institut für Molekulare Biowissenschaften, Universität Graz
Wie man sich gesund fastet - und isst
Grazer Forscher entschlüsseln den Stoff, der Ihre Zellen verjüngt
Neue Studie: Spermidinreiche Ernährung hält den Menschen länger jung
Hohe Zufuhr von Spermidin senkt die Mortalität
Spermidin in Gesundheit und Krankheit - Madeo F, Eisenberg T, Pietrocola F, Kroemer G. Science. 2018 Jan 26;359(6374).
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Forschungsdatenbank der Charité zum Thema Spermidin
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