Nicholas Winton

AFP/MICHAL CIZEK

Hörbilder

Lord Dubs und die Kindertransporte

Lost in Migration. Sir Winton, Lord Dubs und die Kindertransporte.
Feature von Ute Maurnböck

Vor 80 Jahren ist Alf Dubs aus der damaligen Tschechoslowakei nach London gekommen. Mit einem der berühmten Kindertransporte, die letztlich 10.000 jüdische Buben und Mädchen von der Tschechoslowakei, aus Deutschland und Österreich nach England gebracht und vor dem wahrscheinlichen Tod gerettet haben. Sir Nicholas Winton war jener Mann, der die Züge buchstäblich ins Rollen gebracht hat. Als er die Weihnachtsfeiertage 1938 in Prag verbrachte, erkannte er das Ausmaß des Nazi-Schreckens. Die tatsächlich durchgeführte Brutalität der organisierten Auslöschungsmaschinerie, die auch vor Kindern keinen Halt machte.

Barbara Winton erzählt über ihren außergewöhnlichen Vater, einen Mann, der die tschechoslowakische Rettungsaktion nur als Fußnote in seinem Leben verstand und gleich nach seiner Rückkehr nach England andere Sozialprojekte ins Leben rief. Erst Jahrzehnte nach dem Krieg fand seine Frau Namenslisten von geretteten Kindern am Dachboden, nie hatte er ihr davon erzählt. Eines dieser Kinder war Alf Dubs, der das große Glück hatte, von seinem Vater in London erwartet zu werden. Anders als die meisten, die ihre Eltern nicht mehr wiedersahen und bei Pflegefamilien oder in Kinderheimen untergebracht wurden. Manche trafen es gut, andere litten ihr Leben lang unter der Trennung der Herkunftsfamilie und der neuen - oft von Lieblosigkeit geprägten - Umgebung.

Alf Dubs jedoch gelang es, einen Kreis zu schließen. Vom Kindertransportkind aus der Tschechoslowakei wurde er als Politiker der Labour Party ein Fürsprecher für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Er besuchte Jugendliche im berüchtigten Auffanglager von Calais, das im Oktober 2016 geschlossen und geschliffen wurde. Das nach ihm benannte Dubs-Amendment wollte gesetzlich festlegen, dass rund 3.000 Kinder und Jugendliche auch ohne Familienanschluss vom Vereinigten Königreich aufgenommen wurden.

Zwar stimmte die Regierung zu, bis heute konnten aber nur einige hundert junge Flüchtlinge tatsächlich legal nach Dubs Amendment einreisen. Für mich ist es klar, erzählt er, ich schaue den Parlamentariern, die gegen meinen Verfassungszusatz stimmten, in die Augen und sage: "Wenn du gegen die Flüchtlinge bist, bist du gegen mich". Darauf wissen sie meist keine Antwort.

Ton: Ralph Gabriel
Redaktion: Elisabeth Stratka

Sendereihe