Theodor W. Adorno

AP/PETER HILLEBRECHT

Wolfgang Müller-Funk über Theodor W. Adorno

"Ästhet der Unruhe" - Zum 50. Todestag von Theodor W. Adorno wirft der Wiener Kulturwissenschafter Wolfgang Müller-Funk Licht auf einige Brennpunkte von Adornos Denken. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen, so lautet ein höchst anstößiges, elitäres Fragment in den Minima Moralia, die den bezeichnenden Untertitel Reflexionen aus dem beschädigten Leben tragen.

Verfasst ist die kleine, höchst persönliche Moralphilosophie vor dem Hintergrund der Erfahrungen Adornos im US-amerikanischen Exil. Dort ist der kritische Philosoph ungeachtet intensiver Forschungsarbeiten (etwa der Studie über den autoritären Charakter) nie wirklich angekommen.

Die falsche Welt ist nicht nur das nationalsozialistische Regime, dem Adorno glücklich entronnen ist, sondern das sind auch der falsche Sozialismus Stalins und die sich entwickelnde fröhliche, moderne Konsumwelt des amerikanischen Kapitalismus, die Welt von Kaugummi, Fernsehserien, Jazz, Konsum, "die Gesundheit zum Tode", freiwillige Anpassung, "berufsmäßige Güte".

Propaganda, Werbung, Massenkultur und Film sind jene Mächte, die den Menschen auf einen Zustand eines verblendeten, vollständig konformistischen und kulturell marginalisierten Daseins reduzieren, in dem das Ich zum bloßen Schein mutiert. Der moderne liberale Kapitalismus wird zu einer Hölle, die dank einer kollektiven Verblendung unsichtbar ist. Adorno: Die Menschen werden zu Schauspielern eines Monstre-Documentairefilms herabgesetzt, der keine Zuschauer mehr kennt, weil noch der letzte auf der Leinwand mittun muß. Solche vernichtenden Urteile der Moderne erinnern an den späten Joseph Roth aber auch an Karl Kraus, der in den Minima Moralia lobend gewürdigt wird.

Adornos Unbehagen an der modernen Welt vereinigt zwei widerstrebende Momente, eine konservative Verachtung, die in der Tradition etwa Nietzsches steht, und ein progressives, das sich etwa auf Marx Befund des Absolutismus der Ökonomie und auf Freuds Hinweis auf die repressive Kultur bezieht. Der legendäre Satz "Es gibt kein richtiges Leben im falschen" behält die Frage nach einem Wahren im Auge.

Service

Kostenfreie Podcasts:
Gedanken für den Tag - XML
Gedanken für den Tag - iTunes

Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Erik Satie/1866 - 1925
Album: Erik Satie - Frühe Klavierstücke
Titel: Gymnopedies - 3 Stücke für Klavier
* Nr.1 (00:05:58)
Solist/Solistin: Reinbert de Leeuw /Klavier
Länge: 02:00 min
Label: Philips 4204722

weiteren Inhalt einblenden