Zwei junge Menschen mit Smartphones in Teheran, sitzend

AFP/ATTA KENARE

Internet woanders

Wie unterschiedlich verschiedene Weltregionen im Netz unterwegs sind.

Das Internet hat die Welt vielfach kleiner und ähnlicher gemacht. Doch trotz der Dominanz von Tech-Firmen aus dem Silicon Valley ist die Onlinelandschaft global gesehen alles andere als eine Monokultur. "Matrix" reist quer durch die Welt auf der Suche nach den regionalen Spielarten des Netzes.

Iran: Digitale Selbstverteidigung oder "Twittern darf nur der Präsident"

In der Rangliste der striktesten Internetzensuren der Welt taucht knapp hinter China der Iran auf. Die weltweit populärsten Sozialen Netzwerke wie Twitter, Facebook oder YouTube sind dort seit Jahren gesperrt. Auch viele Webseiten westlicher Medien, wie jene der BBC oder der New York Times, sind geblockt. Doch viele der insgesamt 65 Millionen iranischen Internetnutzer wissen, wie sie die Zensur umgehen können. Anna Masoner hat sich mit einer in Wien lebenden Iranerin unterhalten, über undurchschaubare Regeln, digitale Selbstverteidigung und twitternde Politiker.

China: Digitalisiert bis auf Anschlag

Was bei uns Twitter, Google oder WhatsApp heißt, nennt sich in China WeChat, Baidu oder Weibo. Ein Leben ohne diese Dienste ist für die Chinesen mittlerweile nicht nur unvorstellbar, sondern praktisch unmöglich, erzählt Bai Lin. Sie kam mit 8 Jahren von China nach Österreich und betreibt, in zweiter Generation, das älteste Tai Chi-Studio des Landes. Beruflich wie auch privat verbringt sie immer wieder Zeit in ihrer alten Heimat und hat Sarah Kriesche gezeigt und erklärt, welchen Stellenwert vor allem das WhatsApp-Pendant WeChat mittlerweile in China einnimmt.

Brasilien: Fake News-Schleuder WhatsApp

Brasilien ist - nach Indien - das Land mit den zweithöchsten WhatsApp-Userzahlen weltweit: 120 Millionen Menschen, also rund zwei Drittel der Brasilianer und Brasilianerinnen nützen diesen Messaging Dienst. Für viele ist WhatsApp sogar der einzige, oder zumindest der hauptsächliche Zugang zum Internet. Das hat massive Auswirkungen auf den politischen Bereich. Denn gerade im letzten Wahlkampf wurde WhatsApp zur Spielwiese massiver Fake News-Kampagnen. Manche Experten meinen sogar, der neue ultrarechte Präsident, Jair Bolsonaro, habe seinen Wahlsieg zu einem großen Teil WhatsApp zu verdanken, berichtet Ulla Ebner.

Kuba: Endlich online

Noch vor zwei Jahren war das Internet in Kuba vor allem sehr langsam und für viele kaum erschwinglich. Die meisten Kubanerinnen und Kubaner wählten sich über öffentliche Wifi-Hotspots ins Internet ein. Während Europa, die USA und China derzeit schon vom neuen superschnellen Mobilfunkstandard 5G träumen, ist das Funktionieren der 3G-Technologie im karibischen Inselstaat noch alles andere als selbstverständlich. Seit drei Monaten bietet der staatliche Telekomanbieter ETECSA jetzt auch mobile Datenpakete an, berichtet Julia Gindl.

Afrika: Mobiles Internet als Revolution und politische Gefahr

Das Internet in Afrika ist mobil. Selbst beim technologischen Schlusslicht, der Demokratischen Republik Kongo, kommen auf 100 Einwohner 40 Mobilfunkverträge. Das Handy hat sich in Afrika zu einem Multifunktionswerkzeug entwickelt, unter anderem zur Geldbörse und zur Bank. Wo es politisch wird, schränken Staaten wie Tansania die Möglichkeiten im Netz aber schnell ein. Über die mobile Revolution in Afrika hat Franz Zeller mit Alexis Neuberg gesprochen. Er ist gebürtiger Ruandese und Vizepräsident der Afrikanisch-Europäischen Diaspora Entwicklungsplattform ADEPT.

Redaktion: Franz Zeller
Moderation: Wolfgang Ritschl

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