Taucher

AP/ANDREY NEKRASOV

Schillers "Taucher" im Selbstversuch

Der Taucher. Eine Schiller-Ballade - neu ausgelotet. Von Renate Pliem.

Das Meer. Eine Klippe. Unter ihr die tosende Brandung. Eine gelangweilte Hofgesellschaft hat sich versammelt, sie will Unterhaltung. Der König wirft einen goldenen Becher in die heulende See und lobt einen Preis aus: Derjenige, der in den Schlund hinab tauche und das kostbare Gut finde, werde damit belohnt. Der Edelknecht, ganz unten in der Hierarchie, nimmt die Herausforderung auf Leben und Tod an. Er wird zum "Taucher", der sich in den "strudelnden Trichter" stürzt.

Am 5. Juni 1797 begann Friedrich Schiller mit der Arbeit an dieser Ballade, am 14. Juni schrieb er in seinen Kalender: "Taucher geendigt". Eine sprachgewaltige gereimte Erzählung, die das Meer in all seinen Ausdrucksformen beschreibt: Es wallt, es siedet, es donnert, es heult.

Mehr als 200 Jahre später verorten ein Literaturwissenschafter und ein Freitaucher, der ohne Sauerstoffgerät in die Tiefe geht, die Ballade neu: Welche Rolle spielt das Publikum? Was sieht man in der "purpurnen Finsternis"? Was hört man? Und wie selbstmörderisch ist es, gleich nach dem ersten Tauchgang den zweiten zu wagen?

Eine akustische Interpretation einer der bekanntesten Schiller-Balladen.

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