Szene aus "Haus des Geldes"

NETFLIX/TAMARA ARRANZ

Wo der Monitor flimmert...

Seit geraumer Zeit werden Serie in den Feuilletons gefeiert. Was im bürgerlichen Realismus die Romane Flauberts oder Balzacs gewesen seien, seien nun die großen Serien. Sie, so die verbreitete These, treten im 21. Jahrhundert das Erbe des Romans an. Schriftsteller wie Daniel Kehlmann outeten sich als Serienfans und lobten die Dramaturgie der Mafia-Serie "Sopranos". Die erfolgreichste Serie aller Zeiten "Game of Thrones", deren finale Staffel diesen Mai zuende ging, begeisterte weltweit ein Millionenpublikum. In unserer heutigen Filmkolumne "Zoom in" befasst sich David Baldinger mit einer Serie, die seit ihrem Start Publikum wie Kritik begeistert.

Die gezähmte Anarcho-Truppe

Die spanische Serie "Haus des Geldes", die via Netflix ein internationales Publikum erreicht hat, setzt dramaturgisch und ästhetisch neue Maßstäbe. Im Zentrum steht eine mysteriöse Gruppe, die die spanische Notenbank unter ihre Kontrolle bringen will. Dabei will sich die Bande nicht nur selbst bereichern, ihr Coup - Robin Hood lässt grüßen - soll auch dem spanischen Volk zugutekommen. Seit Juli ist eine neue Staffel von "Haus des Geldes" auf Netflix zu sehen. David Baldinger hat sich aus diesem Anlass Gedanken über den Streamingdienst aus dem Silicon Valley gemacht.

Netflix hat Glamour. Netflix ebnet neuen Formaten den Weg. Netflix fördert namhafte Filmemacher, Netflix erobert Hollywood. Zu Erinnerung: Bei den vergangenen Academy Awards wurde das Netflix-Drama "Roma" von Regisseur Alfonso Cuarón gleich mit 3 Oscars ausgezeichnet. Drehbuchautoren und Filmproduzenten schwärmen von einer neuen goldenen Ära des Bewegtbild. Doch wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten, findet unser Kolumnist David Baldinger. Nachdem er die ersten Folgen der neuen Staffel von "Haus des Geldes" gesehen hat, kommt er zu dem Schluss, dass Netflix Gefahr läuft, zu einer Art Apple unter den Streamings-Diensten zu werden. Zu einem Konzern also, der Produkte mit aalglatten, glänzenden Oberflächen unters Volk bringt, die die Werte des Lifestylekapitalismus verkörpern. Die spanische Erfolgsserie "Haus des Geldes", die von einer anarchischen Truppe erzählt, die einen Überfall auf die spanische Notenbank plant, galt Cineasten bis dato ästhetisch wie erzählerisch als hochgradig eigenwilliges und demnach sperrig. Doch in der aktuellen Staffel, findet David Baldinger, flimmert der Stoff deutlich gezähmt über die Monitore.

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