Vater mit Kinderwagen

DPA/JULIAN STRATENSCHULTE

Rainer Bucher über Väter

"Vater sein nach dem Patriarchat". Rainer Bucher, katholischer Theologe, macht sich Gedanken über die Vaterrolle heute. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Der Kern von Elternschaft ist die Erfahrung einer eigenartigen Verantwortung, einer Verantwortung, der man nicht ausweichen kann, für Menschen, die man nicht beherrscht. Das zumindest ist meine Erfahrung.

Das scheint mir das Besondere an Elternschaft: Sie ist nicht gewählt, zumindest nicht in dem, wie die Kinder sind, mit denen man lebt, und sie ist auch nicht sanktionsfrei verlassbar. Sie ist schlicht unentrinnbar.

Das unterscheidet Elternschaft von anderen tiefen Bindungen: Die Herkunftsfamilie ist zwar auch nicht gewählt, aber man kann und soll sie sogar verlassen, die Partnerschaft ist gewählt und heute grundsätzlich verlassbar.

Die Kombination aus traditioneller Unverlassbarkeit, moderner Verantwortlichkeit und postmoderner Verflüssigung macht, so jedenfalls meine Erfahrung, das Spezifische von Elternschaft heute.

Das produziert im eigenen Erleben eine ganz eigene Mischung aus Stolz und Angst. Elternschaft ist zentral die Erfahrung, für etwas verantwortlich zu sein, für das man auch tatsächlich verantwortlich ist, biologisch und sozial, auf das man aber nicht wirklich umfassend Einfluss nehmen und das man schon gar nicht kontrollieren kann.

Und das aus zwei Gründen, die man mit der theologischen Kategorie der Gefallenheit des Menschen fassen kann. Als Vater oder Mutter übernimmt man die Verantwortung für das Leben eines Menschen und weiß doch, dass man dieses Leben nur sehr bedingt bestimmen kann, denn wir sind nicht Gott - und in der Gegenwart nicht einmal mehr familiäre Kleingötter.
Und man weiß, dass wir das Leben der Kinder in dem, wie wir es bestimmen, und meinen wir es noch so gut, immer auch belasten mit unseren Fehlern und Defiziten, und ja auch Sünden, denn wie gesagt: Wir leben nicht mehr im Paradies, sondern in der gefallenen Welt.
Elternschaft ist eine einzige Schule der Demut und sie lehrt, wie sonst nur noch die eigene Not, beten.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Igor Strawinsky/1882 - 1971
Bearbeiter/Bearbeiterin: Michel Colombier /Arrangement/1939 - 2004
Album: ROMANZEN FÜR SAXOPHON UND ORCHESTER
Titel: Serenata - 3.Satz aus der Suite Italienne für Violoncello und Klavier nach dem Ballett "Pulcinella" / Bearbeitung für Saxophon u.Orchester
Solist/Solistin: Branford Marsalis /Sopransaxophon
Orchester: English Chamber Orchestra
Leitung: Andrew Litton
Länge: 02:59 min
Label: CBS MK 42122

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