Peter Henisch

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Peter Henisch reist mit Franz Kafka und Karl May

"Wunsch, Indianer zu werden oder Wie Franz Kafka Karl May traf und trotzdem nicht in Amerika landete". Von Peter Henisch. Mit Thomas Thieme, Cornelia Lippert und Hans Piesbergen. Ton: Karl Kraus. Regie: Götz Fritsch (ORF 2013).

Wenn Karl May und Franz Kafka einander zufällig auf einem Ozeandampfer nach Amerika treffen, wird daraus ein merkwürdiges Aufeinandertreffen zweier literarischer Genres, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Peter Henisch: "Es ist mir reizvoll erschienen, zwei auf den ersten Blick völlig diametrale Literaturfiguren zusammenzubringen. Wobei ein Zusammentreffen von May und Kafka unter gewissen Umständen tatsächlich hätte stattfinden können. Karl und Klara May sind im Jahr 1908 auf einem Dampfer von Bremerhaven nach New York gefahren, das war Karl Mays erste reale Amerikareise. Sämtliche Reisen, die er bis zu diesem Zeitpunkt beschrieben hatte, waren im Großen und Ganzen Phantasie- oder Geistreisen ...

Der junge Kafka schrieb 1907 den Siebenzeiler 'Wunsch, Indianer zu werden'. Ursprünglich hielt ich es einfach für eine originelle Idee, dass sich Kafka als Karl-May-Leser outet. Aber je mehr ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe, desto plausibler erschien es mir letztlich. Erstens auf Grund dieses siebenzeiligen Textes, der auf surreale Weise einen Ritt eines Indianers in Richtung Horizont beschreibt. Zweitens, weil sich mitunter noch mehr Spuren von Karl-May-Lektüre in Kafkas Werk ausmachen lassen.

Ein Indiz mag beispielsweise sein Roman 'Amerika' sein. Aber auch die Tatsache, dass Kafka in 'Das Schloss' just einen Landvermesser als Protagonisten auftreten lässt, ist eine frappante Analogie zum werdenden Old Shatterhand in Karl Mays 'Winnetou 1'". (Peter Henisch im Gespräch mit Christine Dobretsberger, Wiener Zeitung).

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