Menschen in einem Auto, Passantin

AP/RODRIGO ABD

Mutterrollen

"Familienbande". Von Clarice Lispector (aus dem Portugiesischen von Curt Meyer-Clason). Gestaltung: Edith Vukan. Präsentation: Nicole Dietrich

Heute begleitet Catarina ihre Mutter mit dem Taxi zum Bahnhof. Zwei Wochen hatte diese bei ihr und ihrer Familie verbracht. Ehrlich gesagt, sind alle erleichtert, dass der Besuch der alten Dame zu Ende ist. Diese Fahrt aber bringt Catarina dazu, ihr Verhältnis zu ihrer Mutter zu überdenken. Eigentlich war sie ihr nie nah, aber eines ist klar: jede von ihnen ist gefangen in ihrer Rolle. Mutter bleibt Mutter, Tochter bleibt Tochter. Wie aber wird sich die Liebe zu ihrem Sohn gestalten?

Clarice Lispector wurde 1925 in der Ukraine als Tochter jüdischer Eltern geboren, die bald nach Brasilien emigrierten. Sie studierte Rechtswissenschaften und veröffentlichte bereits 19-jährig - 1944 - ihren ersten Roman "Perto do Coração Selvagem" (Deutsch: "Nahe dem wilden Herzen"). Geprägt vom Existenzialismus und auch von Virginia Woolf, eröffnete sie damit eine völlig neue Strömung in der brasilianischen Literatur - fern vom damals üblichen "regionalismo" - und erntete viel Lob.

Clarice Lispector schrieb Romane, Erzählungen und war auch als Journalistin und Übersetzerin tätig. Sie starb 1977 in Rio de Janeiro. Sie gilt - laut Neuer Zürcher Zeitung - als "grande dame" der dichterischen Prosa in Brasilien.

Service

Clarice Lispector, "Familienbande" aus "Lob der Ehe. Ein weltliterarisches Treuebuch". Herausgegeben und mit einem Nachwort von Rafik Schami. Manesse Verlag, 2007

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