CTM Radio Lab 2019. Radiokunst im Zeichen der Beharrlichkeit

Eine gemeinsame Sendung der "Zeit-Ton"- und "Kunstradio"-Redaktion zum CTM Radio Lab 2019. Gestaltung: Susanna Niedermayr und Elisabeth Zimmermann

Zum mittlerweile 6. Mal vergaben Deutschlandfunk Kultur - Redaktion Hörspiel / Klangkunst und CTM Festival gemeinsam mit Goethe-Institut, ORF musikprotokoll im steirischen herbst, Ö1 Kunstradio und mit Unterstützung durch das britische Musikmagazin The Wire Auftragsarbeiten, die sich mit dem Thema des CTM Festivals auseinandersetzen und dabei die künstlerischen Möglichkeiten des Mediums Radio mit einer Live-Performance verknüpfen.

"Persistence" lautete das heurige Festivalmotto. "Mehr denn je bedroht uns aktuell die Tendenz zu polarisierenden Vereindeutigungen", stellten die drei Festivalleiter Jan Rohlf, Oliver Baurhenn und Remco Schuurbiers in einem einleitenden Text fest. "Der dagegen notwendige Widerstand steht vor der Herausforderung, zwar hartnäckig zu bleiben, aber nicht, gleichermaßen beharrlich, zu dogmatisieren und damit den Kreislauf der Eskalation zu befeuern."

Das CTM Radio Lab 2019 gewonnen haben Aurelie Nyirabikali Lierman und Israel Martinez. In dieser gemeinsamen Sendung der Zeit-Ton- und der Kunstradio-Redaktion sind die Radiofassungen ihrer beiden Werke "Sogokuru" und "Love and Rage" zu hören.

Aurelie Nyirabikali Lierman untersucht mit ihrer Arbeit "Sogokuru" überlieferte und gegenwärtige Formen des Animismus in Ruanda. Dabei setzt sie sich mit Strategien auseinander, die dieser Weltanschauung trotz brutaler Unterdrückung während des Kolonialregimes und zahlreicher gesellschaftlicher Umbrüche das Überleben ermöglichten. Lierman wurde in Ruanda geboren, wuchs aber in Belgien auf. Ausgangspunkt für "Sogokuru" lieferte eine intensive Auseinandersetzung mit dem Leben ihres 108-jährigen Großvaters, einem der letzten traditionellen Jäger und Heiler des Landes. In vorkolonialer Zeit geboren, musste er nicht nur die belgischen und deutschen Kolonialregime erdulden, er erlebte den Unabhängigkeitskampf der 1950er Jahre, überlebte den Genozid und die Kriegsgräuel der 1990er Jahre und bietet bis heute dem nicht immer einfachen Alltag und der Politik des gegenwärtigen Ruanda die Stirn. Das Stück, so Jurymitglied und The Wire Autor Phil England, bietet "einzigartige Einblicke in kontrastierende kulturelle Perspektiven, die Zugänge zu einem beeindruckenden Beispiel der Beharrlichkeit als auch Einsichten in eine koloniale Vergangenheit ermöglichen, der wir uns dringend stellen müssen".

"Beharrlichkeit ist in Mexiko, wie auch in anderen Teilen der Welt, keine Frage der Wahl oder der Möglichkeit", schreibt der mexikanische Klangkünstler Israel Martinez, "es ist eine Bedingung, um zu überleben, um sich eine andere Zukunft vorstellen zu können ... ein substanzieller Beitrag zu kritischem Denken und Widerstand überall auf der Welt." In seinem Stück "Love and Rage" spürt Martinez der Beharrlichkeit des Widerstands anhand des politischen Aktivismus in Mexiko nach, in dem sich zugleich die vielen Formen des Widerstands überall auf der Welt spiegeln.

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