Historisches Hörgerät

APA/obs/Siemens Healthcare Secto

"So gut hab ich den Beethoven noch nie gehört."

Behandlungsstrategien bei Schwerhörigkeit

Elisabeth Randa erkrankte mit drei Jahren an Scharlach. Eine unzureichende Behandlung führte dazu, dass die mittlerweile 73-jährige Wienerin an einem Ohr ertaubte, das linke funktionierte nur mehr zu etwa 60 Prozent. Erst mit 45 Jahren erhielt sie das erste Hörgerät, mit 64 das erste Cochlea-Implantat und drei Jahre später ein weiteres.
Heute hört sie so gut wie nie zuvor, schwärmt sie, und genießt mit ihrem Mann regelmäßige Besuche in der Wiener Staatsoper. Elisabeth Randa ist eine von 1,7 Millionen Menschen in Österreich, die eine Hörstörung mit unterschiedlichem Schweregrad haben.
Etwa die Hälfte aller Personen über 65 benötigen eine Hörhilfe, etwa ein Hörgerät.

Unterschiedliche Formen von Schwerhörigkeit
Es gibt zum einen die so genannte Schallleitungsstörung. Dabei liegt die Ursache im äußeren oder noch häufiger im mittleren Ohr vor. Mögliche Gründe sind unter anderem Mittelohrentzündungen, eine Missbildung des Gehörgangs, eine Verkalkung der Gehörknöchelchen, krankhafte Veränderungen des Trommelfells oder Ohrenschmalz. Helfen können Operationen und/oder Medikamente.
Ursache für die Schallempfindungsschwerhörigkeit (zu der die Altersschwerhörigkeit zählt) ist hingegen eine Zerstörung von Haarzellen im Innenohr. Diese Form der Hörstörung ist sehr häufig lärmbedingt, es können aber unter anderem auch ein Hörsturz, eine Infektion (Röteln, Mumps und Co.) oder ein genetischer Defekt die Auslöser sein.

Für jedes Ohr das richtige Hörgerät
Menschen, die von einer Schallempfindungsschwerhörigkeit betroffen sind, kann mit Hörgeräten gut geholfen werden. Diese stimulieren die noch vorhandenen Sinneszellen. Es gibt mehrere Arten: Häufig zum Einsatz kommen die "Hinter-dem-Ohr-Geräte" (HdO). Diese eher großen und daher nicht allzu beliebten Schallverstärker bestehen aus einem Mikrofon, das hinter dem Ohr getragen wird. Ein durchsichtiger Schallschlauch verbindet das Gerät mit dem Passstück im Ohr. Weiters gibt es die naturgemäß kleinen "Im-Ohr-Geräte" (IdO). Man unterscheidet bei dieser Hörgeräteart zwischen Ohrmuschelgeräten (Concha-Geräten) und Gehörganggeräten, die je nach Größe mehr oder weniger im Gehörgang "verschwinden". IdO-Geräte zählen zu den kleinsten Hörgeräten, sie sind jedoch nicht für die Versorgung schwerer Hörbeeinträchtigungen geeignet.

Computer im Ohr
Hörgeräte werden nicht nur immer kleiner und unauffälliger, sondern auch technisch immer ausgeklügelter.
Die modernen, digitalen Geräte verstärken nicht wie ihre analogen Vorgänger alle Schallquellen gleich, sondern leise Töne stärker als laute. Die Minicomputer sorgen für eine Rückkoppelungs- und Störgeräuschunterdrückung und sie verfügen über mehrere Programme, die das Hören in unterschiedlichen Situationen erleichtern: Sei es beim Autofahren, im Theater oder auf einer Party. Und Hörgeräte können sich mittlerweile auch drahtlos über Bluetooth und Funk mit Smartphone oder Fernseher verbinden.

Implantate
Für hochgradig schwerhörige Personen, bei denen nur mehr wenige oder keine Sinneszellen im Innenohr mehr vorhanden sind, wurde das genannte Cochlea-Implantat entwickelt. Durch diese Technik werden die Sinneszellen des Innenohrs "überbrückt". Ein Audioprozessor nimmt die Schallwellen aus der Umgebung auf. Diese werden in einem Implantat zu elektrischen Impulsen verarbeitet. Diese wiederum reizen den Hörnerv direkt. So entsteht ein Höreindruck im Gehirn. Bei Personen mit einer mittelgradigen Schwerhörigkeit, für die ein Hörgerät zum Beispiel aufgrund anatomischer Besonderheiten nicht geeignet ist, kann der HNO-Arzt auch ein Implantat in das Mittelohr einsetzen.

Wer nicht hört, der vergisst
Eine Schwerhörigkeit sollte unbedingt behandelt werden. Denn Menschen, die ihre Umwelt immer schlechter verstehen, ziehen sich meistens sozial zurück. Das Risiko, zu vereinsamen ist hier erhöht. Und, das ist nicht ausreichend bekannt, auch das Risiko, eine Demenz zu entwickeln, steigt durch eine länger anhaltende Schwerhörigkeit stark an.

Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Sind Sie schwerhörig? Was sind die Gründe?

Leiden Sie unter der Hörminderung?

Tragen Sie ein Hörgerät? Wie geht es Ihnen damit?

Hören Sie mit einem Cochlea Implantat? Machen Sie regelmäßiges Hörtraining?

Haben Sie ein schwerhöriges Kind? Wie wird er/sie behande

Moderation: Univ.-Prof.in Dr.in Karin Gutiérrez-Lobos
Sendungsvorbereitung: Mag.a Nora Kirchschlager
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

Service

Gäste im FH Wien:

Elisabeth Randa
Trägerin von 2 Cochlea-Implantaten
VOX Schwerhörigenzentrum Wien
Leiterin der Selbsthilfegruppe "Offenes Forum"
Sperrgasse 8-10/1.Stock/Tür 8
1150 Wien
+43 (1) 897 47 87
E-Mail
Homepage

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Gstöttner
Meduni Wien, AKH
Leiter der Uniklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
01/40400/60980
E-Mail
Homepage

zugeschaltet aus dem Landesstudio Tirol:

Univ.-Prof. Dr. Kurt Stephan
Leiter Bereich Audiologie
Univ. Klinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen
Medizinische Universität Innsbruck
Anichstr. 35
A-6020 Innsbruck
Tel.: +43-512-504-23220
E-Mail
Homepage

Weitere Anlaufstellen und Info-Links:

Österr. Gesellschaft für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie
VOX Schwerhörigenzentrum Wien
VOX - Technische Assistenz & Beratungscenter für Schwerhörige Wien
Österreichischer Schwerhören Dachverband
Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe
Cochlea Implantat Austria - Selbsthilfegruppe für Hör-Implantat Nutzer
Schwerhörigkeit: Ursachen, Symptome und Behandlung
Vom Lärm zur Schwerhörigkeit
Hörstörungen bei Kindern
Hörgeräte
Wissenswertes über ein Cochlea Implantat

Buch-Tipps:

Gunnar Brehme, "Häh?: Das Buch für Schwerhörige und solche, die es nicht zugeben wollen", Books on Demand 2017

Jill Dolisy, "Tomaten auf den Ohren: Wenn die Welt verstummt (ein Buch über schwerhörige Jugendliche)", MASOU Verlag 2018

Tanja Dedy, "Mein Weg zum Cochlea Implantat: Eine Achterbahnfahrt der Gefühle",
Independently published 2018

Vanessa Hoffmann, "Hörstörungen bei Kindern: Ein Ratgeber für Eltern, Pädagogen und (Sprach-)Therapeuten", Verlag Schulz-Kirchner 2018

Gerhard Hesse, "Hörminderung und Tinnitus bei älteren Menschen: Risiken, Diagnostik, Behandlung und Hörrehabilitation", Verlag Kohlhammer W. GmbH 2017

Doris Jäger-Flor, "DazugeHören: Die psychosozialen Folgen der Schwerhörigkeit bewältigen - ein Ratgeber für Hörgeschädigte und ihre Angehörigen", Verlag Empirische Pädagogik 2018

Sendereihe