Die Katastrophe als Posse

Wir beschäftigen uns heute mit einem großen tschechischen Schriftsteller, der lange nicht jene Beachtung gefunden hat, die seinem literarischen Werk eigentlich zusteht. Jiri Weil gehört neben Milan Kundera wohl zu den großen Stimmen der tschechischen Literatur. Jetzt ist sein Jahrhundertroman "Mendelssohn auf dem Dach" in einer neuen deutschen Übersetzung erschienen.

Ein Roman, der fulminant beginnt und in einer erschütternden Beschreibung der Katastrophe mündet. Wir schreiben das Jahr 1942. Die Nationalsozialisten haben die tschechische Hauptstadt Prag besetzt. Das Grauen kündigt sich zunächst als Posse an. Am Dach des Konzerthauses entdeckt Reichsprotektor Reinhard Heydrich eine Statue des jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. Doch SS-Schergen kennen Felix Mendelssohn Bartholdy nicht, aus der NS-Rassenlehre leiten sie ab, dass Mendelssohn-Bartholdy die größte Nase haben müsse. Beinahe entfernen sie deshalb die Statue Richard Wagners. In den "Tonspuren" widmen wir uns heute einem Meister des schwarzen Humors. Sabine Nikolay hat sich in Prag auf die Spuren des tschechischen Autors Jiri Weil geheftet.


In den Milestones präsentiert Ihnen Mirijam Jessa ein legendäres Album der Jazzgeschichte. Sie hat in unserem Archiv eine Aufnahme gefunden, die vor fast genau 40 Jahren in Zürich entstanden ist. Damals nämlich, genauer am 28. Oktober 1979, traten der Pianist Chick Corea und der Vibraphonist Gary Burton im Zürcher Limmathaus auf.

In den "Neuen Texten" hören Sie eine weitere Ausgabe unserer Reihe "Kunstgeschichten". Diesmal ist die Voralberger Autorin Eva Schmidt am Wort. In ihrem Text bezieht sie sich auf eine Fotografie des US-amerikanischen Fotografen Gregory Crewdson.

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