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ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Wenn sich eine Branche preist

Journalistenpreise gibt es auf der ganzen Welt, vom berühmten Pulitzer-Preis in den USA bis zum deutschen Reporterpreis, den unter anderem ein gewisser Claas Relotius gleich vier Mal bekommen hat. Dass da eine ehrenwerte Jury wiederholt einem Hochstapler und Betrüger aufgesessen ist, zeigt drastisch, wie problematisch solche Auszeichnungen sein können. In Österreich sind Preise in der Medien-Branche dessen ungeachtet sehr beliebt und besonders weit verbreitet. Welchen Wert haben sie? #doublecheck wirft einen kritischen Blick auf die Szene der Preise und Rankings. Moderation und Gestaltung: Rosanna Atzara, Nadja Hahn und Stefan Kappacher

Wilder Streit um Gatterer-Preis

Anlassfall ist die heftige Auseinandersetzung, die gerade um den Claus-Gatterer-Preis tobt. Der Tiroler Blogger und Aufdecker Markus Wilhelm hat den renommierten Preis heuer zuerkannt bekommen, ihn aber nicht angenommen und durch Veröffentlichungen über den Österreichischen Journalisten Club - ein Verein, der den Gatterer-Preis und den Karl-Renner-Publizistikpreis vergibt - Zweifel an dessen Lauterkeit geweckt. 29 ehemalige Gatterer-Preisträger haben den ÖJC daraufhin aufgefordert, den Preis nicht mehr auszurichten. Doch der Journalisten Club denkt nicht daran, den markenrechtlich geschützten Preis herzugeben. Selbstreinigung oder Selbstbeschädigung, das ist hier die Frage.


Geschäftsmodelle und PR-Gags

Der Gatterer-Preis sei zu einem Geschäftsmodell verkommen, wo es nur noch darum gehe, möglichst satte Einnahmen aus Sponsorengeldern zu lukrieren. Das ist der Vorwurf, der im konkreten Fall von den Herren des Preises zurückgewiesen wird. Wenn ein Branchenmagazin sein alljährliches Ranking von Medienmanagern und Journalisten macht, dann ist das aber jedenfalls ein Geschäftsmodell - auch wenn argumentiert wird, dass damit die Qualität des Journalismus gestärkt werden soll. Und wenn ein Werbemagazin ein Journalisten- und Journalistinnen-Ranking macht, bei dem der Chefredakteur des mittlerweile eingestellten rechten Magazins "Alles Roger" auf Platz drei gelandet ist, dann stellen sich viele die Frage, ob das die Branche nicht doch mehr schwächt als stärkt.


Medienlöwinnen in der Manege

Die Palette an Preisen in der Medienbranche ist breit und bunt. Die erst diese Woche wieder vergebenen "Medien-Löwinnen" sind initiiert worden, um Frauen vor den Vorhang zu holen - und der männer-dominierten Preis-Szene etwas entgegenzusetzen. Sogar die Bundeskanzlerin war diesmal dabei und hat gesprochen, allein das war schon ein Statement. Es gibt in Österreich aber auch eine Vielzahl von Preisen, die von Unternehmen, NGOs und anderen Lobby-Gruppen vergeben - und von Journalisten angenommen werden. Es ist oft ein schmaler Grat, auf dem Preisträger da wandeln, wenn die professionelle Distanz der Eitelkeit geopfert wird.

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