Sat-Foto eines syrischen Gefängnisses

AMNESTY INTERNATIONAL

Syrische Gefängnisse - Überlebende erzählen

Königreich des Schweigens
Feature von Jakob Weingartner
Produktion WDR/DLF/ORF 2019

Das in den Bergen von Damaskus gelegene Militärgefängnis Saydnaya gilt als Todesfabrik. Zehntausende werden dort systematisch gebrochen und getötet. Da sie nichts sehen dürfen, tragen Geräusche die Erinnerungen der Überlebenden.

Den Gefangenen sind die Augen verbunden oder sie sitzen mit dem Gesicht zur Wand. Sie horchen in den Raum, um Gefahren zu orten, erkennen Wärter an ihren Schuhen und Folterinstrumente an ihren Geräuschen. "Saydnaya ist eine Maschine, die schneidet, verbrennt und schmilzt. Sie vernichtet nicht nur Fleisch; sie tötet auch Seelen", sagt ein ehemaliger Häftling. Die Tonaufnahme findet in einer fensterlosen Zelle des früheren Stasi Gefängnisses in Berlin Hohenschönhausen statt. Geräusch für Geräusch rekonstruiert der Zeuge den Nicht-Ort Saydnaya und fasst schwer Sagbares in Worte. Über zwei Jahre hat der Autor Zeugnisse von Überlebenden dokumentiert und verdichtet.

Die Tortur hat System. Das Regime von Bashar al-Assad nutzt Angst um Syrien zu einem "Königreich des Schweigens" zu machen. Wer frei gelassen wird, ist meist traumatisiert; entweder politisch gelähmt oder religiös radikalisiert. Mancher ist nach dem Erlittenen selbst bereit, den Kreislauf der Gewalt weiter zu befeuern, bei dem sich Assad als "kleineres Übel" zu präsentieren sucht.

Amnesty International fordert seit Jahren eine internationale Untersuchung der syrischen Traumatisierungsmaschine. Öffentliche Aufmerksamkeit ist für die Überlebenden eine letzte Hoffnung. Obwohl, oder gerade weil viel darauf hindeutet, dass das Assad-Regime seine Macht über ganz Syrien zurückgewinnen könnte.

Sendereihe