Ausschnitt des Buchumschlags

SUHRKAMP VERLAG

Zu Besuch bei Zoltán Danyi

Von den Rosen lernen. Der Autor Zoltan Danyi.

Der Krieg am Balkan ist 20 Jahre vorbei. Jetzt hat der aus Serbien stammende, ungarisch-sprachige Autor Zoltán Danyi einen Debütroman vorgelegt, der die seelischen Folgen dieses Kriegs beschreibt. "Der Kadaverräumer" gewann gleich mehrere Preise. Sein Protagonist kann nicht schlafen, muss ständig furzen, leidet an Magenschmerzen und Koliken. Jahre nach dem Krieg, in dem er Täter wie Opfer war, holen ihn jene traumatischen Ereignisse ein, vor denen er gerne weggelaufen wäre. Für den Hass, die Wut und die Traurigkeit, die der Krieg bei den Menschen auf dem Balkan hinterlassen hat, findet Danyi eine beispiellose Sprache, einen eigenen Sound: rau, sexualisiert, einem aufpeitschenden Rhythmus folgend. Es ist ein zorniges und trotz der derben Sprache, zugleich zärtliches Psychogramm.

Zoltán Danyi wurde 1972 in der serbischen Provinz Vojvodina geboren, damals Jugoslawien. Seine Familie gehört zur ungarischen Minderheit. Er arbeitete als Lektor und Hochschullehrer und veröffentlichte 2003 erste Gedichte. Heute lebt er als Rosenzüchter in seiner Heimatstadt Senta. 30 km von der ungarischen und 40 km von der rumänischen Grenze entfernt. Ein Besuch bei ihm in der Vojvodina ist eine Reise an den Rand von Europa. Die Lebensbedingungen sind schwierig. Viele junge Leute gehen ins Ausland. Doch noch immer leben hier mehr als 25 Völker nebeneinander. Neben Serben sind es derzeit vor allem Ungarn, Slowaken, Kroaten und Rumänen. Ihr Verhältnis zueinander hat sich durch den Krieg verändert. Der zurückhaltende Autor spricht darüber nur ungern. Er führt stattdessen seinen ganz eigenen Kampf: gegen die Hitze und die Dornen bei der Arbeit mit den Rosen.

Feature von Shenja von Mannstein.

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