Lotte Tobisch

APA/GEORG HOCHMUTH

Alles Walzer - Zur Erinnerung an Opernballorganisatorin Lotte Tobisch

"Ich war ein schwieriges Mädchen" - Helene Maimann im Gespräch mit der im Oktober 2019 verstorbenen Schauspielerin und langjährigen Opernball-Organisatorin Lotte Tobisch. (Erstausstrahlung am 14. März 2013)

Der umjubelte Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 12. März 1938 in Österreich brachte die privilegierte Kindewelt der Lotte Tobisch zum Einsturz. Wenige Tage, nachdem die Wehrmacht über den Ring marschiert war, erschlug die Gestapo einen Neffen ihres jüdischen Stiefvaters Gustav Lederer. Lederer flüchtete in die Tschechoslowakei, sein Bruder wurde während des Novemberpogroms drangsaliert, auf den Straßen randalierte der Mob.

Die zwölfjährige Lotte sah vieles, hörte genau hin und lernte früh von ihrer Mutter einige unerlässliche Haltungen, um dem Regime die Stirn zu bieten, Kaltblütigkeit vor allem und Entschlossenheit. Das junge Mädchen ging bald eigene Wege und setzte sich in den Kopf, Schauspielerin zu werden.

Im Gespräch mit Helene Maimann erinnerte sich Lotte Tobisch an den März 1938 und die Jahre der NS-Diktatur. Und an ihren Lebensweg danach, der von der Literatur, vom Theater, von Begegnung mit Künstlern und Schriftstellern und von ihren zwei großen Lebenslieben geprägt war.

Nach langer Krankheit starb Lotte Tobisch am 19. Oktober 2019 in Alter von 93 Jahren im Badener Künstlerheim der Organisation "Künstler helfen Künstlern".

Service

Lotte Tobisch und Michael Fritthum, "Auf den Punkt gebracht: Ansichten einer Lady. Aufgezeichnet von Michael Fritthum", Amalthea Signum, 2019

Lotte Tobisch und Michael Fritthum, "Alter ist nichts für Phantasielose", Amalthea Signum 2016

Lotte Tobisch, "Langweilig war es nie - Warum es sich lohnt, neugierig zu bleiben", Brandstätter Verlag 2013

Bernhard Kraller und Heinz Steinert, "Theodor W. Adorno, Lotte Tobisch. Der private Briefwechsel", Literaturverlag Droschl, Wien, 2003

Lucian O. Meysels: "Die Welt der Lotte Tobisch", Edition Va Bene Wien, 2002

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