Oper in Odessa

ORF/BRIGITTE VOYKOWITSCH

Galizien und Odessa

Nostalgieorte in der Ukraine - Galizien und Odessa.

Galizien ist heute auf keiner europäischen Landkarte mehr zu finden. Mit dem Zerfall der Habsburgermonarchie wurde auch Galizien Geschichte. Nach zahlreichen, mit den Weltkriegen und diversen historischen Konflikten verbundenen Turbulenzen gehört der östliche Teil des ehemaligen galizischen Gebietes heute zur Ukraine, der westliche zu Polen.

Der Schriftsteller Joseph Roth bezeichnete Galizien als eine Art Zwischenreich, eine Welt zwischen Rückständigkeit und Fortschritt, eine Welt von schier unüberschaubarer kultureller Vielfalt, eine Welt, in der das Judentum eine Blüte erlebte und dann vernichtet wurde - auch Auschwitz liegt im ehemaligen Galizien. Als Joseph Roth 1894 zur Welt kam, war das "Königreich Galizien und Lodomerien" das größte Kronland der österreichischen Reichshälfte der Habsburger-Monarchie.

Die Region, deren Namen sich vom alten Fürstentum Halytsch-Wolhynien im 14. Jahrhundert ableiten, war Ende des 18. Jahrhunderts im Zuge der polnischen Teilungen an die Habsburger gelangt. Die Kleinstadt Brody, in der Joseph Roth das Licht der Welt erblickte, lag an der Grenze zwischen dem Österreichischen und dem Russischen Kaiserreich. Für österreichische Offiziere bedeutete die Versetzung in eine galizische Garnison eine Schmach, auch Joseph Roth betrachtete seine Geburtsstadt zeitlebens kritisch.

Vieles hat sich in den Jahrzehnten, in denen die Ukraine zur Sowjetunion gehörte, verändert; doch einige Orte, die Kindheit, Jugend und die frühe Studienzeit von Joseph Roth prägten, sind bis heute erhalten geblieben. In Brody und in Lemberg - L'viv, wie es heute heißt, - kann man auf den Spuren von Joseph Roth Geschichte und Kultur Galiziens erkunden. Der Schriftsteller selbst verließ bald seine Heimatregion, ging nach Wien und Westeuropa und kehrte nur selten nach Galizien zurück.

Die Hafenstadt Odessa liegt am Schwarzen Meer im Süden der Ukraine. International bekannt ist sie für die gewaltige Potemkinsche Treppe, die im Film "Panzerkreuzer Potemkin" gezeigt wurde. Odessa rühmte sich stets seiner kulturellen und ethnischen Vielfalt, seines Handels und seines Savoir-Vivre, auch wenn die Realität bei weitem nicht immer spannungsfrei war. Die Baudenkmäler aus dem 19. Jahrhundert, die Strandpromenade und die Strände lockten stets Toruisten an. Deren Zahl ist nach der Annexion der Krim durch Russland in den vergangenen Jahren merklich gestiegen.

Gestaltung: Brigitte Voykowitsch

Service

Literatur:

Edmund de Waal: Der Hase mit den Bernsteinaugen, Aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer, dtv

Joseph Roth:
Reisen in die Ukraine und nach Russland, Beck-Verlag
Juden auf Wanderschaft, Christian Brandstätter Verlag

Alexander Puschkin: Eugen Onegin, übersetzt von Kay Borowsky, Reclam-Verlag

Börris KuzmanyBrody: Eine galizische Grenzstadt im langen 19. Jahrhundert, Böhlau-Verlag

Anja Klijanienko-Birkman: Lemberg: Das kulturelle Zentrum der Westukraine, Trescher Verlag

Martin Pollak: Galizien: Eine Reise durch die verschwundene Welt Ostgaliziens und der Bukowina, Insel Verlag

Wilhelm von Sternberg: Joseph Roth. Eine Biographie, KiWi-Verlag

Charles King: Odessa: Genius and Death in a City of Dreams, Norton & Company

Tanya Richardson: Kaleidoscopic Odessa: History and Place in Contemporary Ukraine, University of Toronto Press

Links:

Webseite des Literaturfestivals Odessa

Webseite Museum Brody


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