Coronavirus

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Keimfrei, virenfrei und intelligent?

Medizinische Versorgung durch "virtual care"
Gestaltung: Katrin Mackowski

Angesichts der Corona-Pandemie gerät die virtuelle medizinische Versorgung in den Fokus: Ärzte können via Telemedizin mit Patienten kommunizieren, ohne Körperkontakt Diagnosen stellen und Rezepte verordnen. Das ist vor allem für Menschen von Nutzen, die in ländlichen Regionen leben, aber auch für Ältere oder Patienten mit chronischen Erkrankungen. In den vergangenen Tagen berichten Betreiber von Telemedizinplattformen von Wachstumsraten um über 1.000 Prozent.

Doch jenseits dieser virtuellen Begegnung, gibt es bereits Spitäler ohne Patienten, sogar intensivmedizinische Stationen, die nurmehr virtuell existieren. Dafür nutzen Ärzte und Pfleger digitale Personalkoordination-Tools und können sich über spezielle Apps mit ihren besonderen Skills in die Einsatzgebiete vernetzten. Das ist besonders wichtig für die Unterstützung der Intensivmedizin. Möglichkeiten und Grenzen einer "entpersonalisierten Medizin" stehen aber auch während der Corona-Krise zur Diskussion. Algorithmen in Apps oder Health-Plattformen, die unseren Gesundheitszustand berechnen, gehen für den privaten User oft nur wenig ausgeklügelt vor. Wie zuverlässig kann also ein Chat-bot mittels Stimmanalyse eine Infektion mit Corona diagnostizieren?

Der Gastroenterologie Michael Häfner wägt den Nutzen solcher Systeme kritisch ab. Er selbst forscht mit an einem System, bei dem eine Software bei der Darmkrebsvorsorge-Koloskopien seine Arbeit ergänzt und für mehr Qualität in der Treffsicherheit sorgen soll. Verliert der Arzt so seine Diagnosefähigkeit, den Kontakt zum Körper des Patienten? Abgesehen von ethischen und technischen Herausforderungen dieser neuen virtuellen Arzt-Patient, aber auch Arzt-Gesundheitssystem-Beziehung, stellt vor allem "Big Data" vor Probleme: es gibt Hacking-Kriminalität, technische Fehler, und all die Vor-und Nachteile einer noch nicht ausreichend transparent gemachten "künstlich intelligenten Überwachung" von Menschen, die sich derzeit durch einen allmächtigen Virus in ihrem Alltag überfordert fühlen.


Ein Salzburger Nachtstudio von Katrin Mackowski

Sendereihe

Gestaltung

  • Katrin Mackowski

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