Max Weber

APA/AKG/AKG-IMAGES

Ulrich Körtner über Max Weber

"Über die Entzauberung der modernen Welt". Anlässlich des 100. Todestages von Max Weber macht sich der evangelische Theologe Ulrich Körtner Gedanken über den Soziologen

Läuft Verantwortungsethik in der Politik nicht darauf hinaus, dass der Zweck die Mittel heiligt? Unumwunden erklärt Max Weber wörtlich: "Keine Ethik der Welt kommt um die Tatsache herum, daß die Erreichung ‚guter' Zwecke in zahlreichen Fällen daran gebunden ist, daß man sittlich bedenkliche oder mindestens gefährliche Mittel und die Möglichkeit oder auch die Wahrscheinlichkeit übler Nebenerfolge mit in den Kauf nimmt". Ethik schützt uns auch nicht vor möglichen Dilemmata, in denen man nur zwischen zwei Übeln abwägen kann.

Auch die Gesinnungsethik entkommt solchen Problemen nicht, es sei denn, um den Preis eines kompromisslosen Rigorismus. Allerdings besteht die Gefahr, auf die Weber hinweist, dass Gesinnungsethiker zu apokalyptischen Propheten mutieren. In radikalen Endzeitbewegungen wie zum Beispiel dem Täuferreich zu Münster 1534/35 ist es immer wieder dazu gekommen, dass ein anfänglicher Pazifismus in Gewalt umgeschlagen ist, mit der Begründung, das Reich des endzeitlichen Friedens auf dem Weg durch Vernichtung allen Bösens herbeizuführen.

Heute lassen sich Radikalisierungstendenzen in Teilen der Tierrechtebewegung und in der Klimaschutzbewegung beobachten. Radikale Befürworter eines kompromisslosen Politikwechsels sich bisweilen an den Spielregeln einer parlamentarischen Demokratie, zu deren Wesenselementen die Konsenssuche und der politische Kompromiss gehören. Auch rechte Bewegungen und Politiker verachten den Rechtsstaat und den Parlamentarismus. Eine lebendige Demokratie braucht allerdings nicht nur den Konsens, sondern auch den Konflikt, für dessen Austrag aber gemeinsam akzeptierte Regeln gelten müssen. "Die Politik", so Max Weber wörtlich, "bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß." Das gilt für alle politischen Felder, nicht nur für den Klimaschutz.

Service

Kostenfreie Podcasts:
Gedanken für den Tag - XML
Gedanken für den Tag - iTunes

Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Ludwig van Beethoven/1770 - 1827
Album: Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott in Es-Dur op.16
* Andante cantabile - 2.Satz (00:08:32)
Solist/Solistin: Christoph Eschenbach /Klavier
Orchester: Staatsphilharmonie Rheinland Pfalz /Kammersolisten
Ausführender/Ausführende: Anne Leek /Oboe
Ausführender/Ausführende: Johannes Moog /Klarinette
Ausführender/Ausführende: Sjön Scott /Horn
Ausführender/Ausführende: Ulrich Freund /Fagott
Länge: 08:32 min
Label: Signum X06-00

weiteren Inhalt einblenden