Heuschrecken in Kenia

AFP/TONY KARUMBA

Die Heuschrecken wüten

Vom friedlichen Einzelgänger zum bedrohlichen Gruppentier: Was sind die Hintergründe der aktuellen Heuschreckenplage?
Gäste: Dr. Nikola Szucsich, Insektenforscher und Mitglied des Biodiversitätsrats Österreich & Assoz. Prof. Dr. Manfred Hartbauer, Biologe von der Universität Graz & Dr. Felix Oberhauser, Verhaltensforscher am Cluster für kollektives Verhalten der Universität Konstanz &
Moderation: Elisabeth Scharang.
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Seit Monaten bedrohen riesige Heuschreckenschwärme die Existenz von Millionen Menschen vor allem in Ostafrika und auf der Arabischen Halbinsel. Auch in Russland und Indien befürchtet man Ernteausfälle in hohem Maß. In Kenia haben Forscher in diesem Jahr einen Schwarm beobachtet, der 60 Kilometer lang und etwa 40 Kilometer breit gewesen ist. Die leuchtend gelben, orangen oder schwarzen Insekten gehören zur Art der Schistocera gregaria, auch Wüstenheuschrecken genannt.

Was ist der Grund dafür, dass Heuschrecken sich zu riesigen Schwärmen zusammenschließen, und zu wandern beginnen? Am Max-Plack-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz untersucht ein Team aus Forscher*innen zurzeit in Experimenten das Schwarmverhalten und hat herausgefunden, "dass die Furcht vor Kannibalismus die Heuschrecken offenbar antreibt, also der Hunger", erzählt der Verhaltensforscher Felix Oberhauser.

Was macht aus verborgen lebenden Einzelgängern innerhalb weniger Stunden Schwarminsekten voller Bewegungsdrang, die ganze Landstriche kahlfressen? Kann der schwarmauslösende Reiz von außen beeinflusst oder gar verhindert werden? Und welche Rolle spielen der Klimawandel und der Einsatz von Pestiziden?

Der Grazer Biologe Manfred Hartbauer ist seit 20 Jahren auf die Erforschung von Insekten spezialisiert und hat im Zuge dessen ein biologisches Pestizid hergestellt, das sich im Laborversuch als sehr effektiv bei der Vernichtung der Wanderheuschrecken erwiesen hat. "Dieses Bio-Pestizid kann wie konventionelle Insektenvernichtungsmittel angewendet und versprüht werden und tötet ausgewachsene Heuschrecken innerhalb von 24 Stunden," erklärt der Forscher. Allerdings stehen die notwendigen und teuren Feldversuche für eine Zulassung noch aus; dafür fehle zurzeit das Geld.

Die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, setzt in Afrika in großem Stil auf ein Insektenvertilgungsmittel, das auf der Basis von Pilzsporen Heuschrecken töten soll. Manfred Hartbauer ist nicht der einzige Wissenschaftler, der diese Vorgangsweise kritisiert. Sowohl die Effektivität wird von ihm in Frage gestellt also auch die ökologische Vertretbarkeit.

Gibt es nachhaltige und effektive Ansätze, um das Problem der Heuschreckenschwärme lösen? Warum bleibt Europa von Heuschreckenplagen in der heutigen Zeit verschont?

Zu diesen Fragen sind Felix Oberhauser, Manfred Hartbauer und Nikola Szucsich, Insektenforscher und Mitglied des Biodiversitätsrats Österreich bei Elisabeth Scharang zu Gast.

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Sendereihe

Playlist

Untertitel: Stephen Wrabel , Celeste Waite
Titel: Strange
Ausführende: Celeste
Länge: 03:08 min
Label: Polydor Recors

Untertitel: Tom Odell
Titel: Grow Old with me
Ausführende: Tom Odell
Länge: 02:56 min
Label: Columbia / ITNO Rec

Untertitel: Ralph Towner
Titel: Duende
Ausführende: Ralph Towner, Wolfgang Muthspiel, Slava Grigoryan
Länge: 02:18 min
Label: ECM Rec

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