Die Gärten, die es nie gab

Botanicum. "Die Gärten der Finzi-Contini". Von Giorgio Bassani. Aus dem Italienischen von Herbert Schlüter. Es liest Martin Vischer.

Es ist das Jahr 1938, wenige Wochen nach der Verkündung der italienischen Rassengesetze, als der junge Student Giorgio von seinem entfernten Bekannten Alberto Finzi-Contini einen Anruf bekommt: Ob er wie die anderen jüdischen Mitglieder aus Ferraras Tennisklub gejagt worden sei? Er könne gerne ein paar Bälle mit ihm und seiner Schwester Micól auf ihrem privaten Tennisplatz schlagen, falls er Lust habe.

So findet der Ich-Erzähler in Giorgio Bassanis berühmtem Roman "Die Gärten der Finzi-Contini" als zugleich Ausgewählter wie Ausgeschlossener Einlass in das Reich der halbadeligen Familie Finzi-Contini. Ihre weitläufige Parkanlage ist Paradies und Gefängnis, ihre hohen Mauern trennen Klassen und Ideologien. Bei Tennisspiel, Spaziergängen und erster Liebe übt man sich im Vergessen und in der Hoffnung, dass es nicht schlimmer wird.

Bassani hat - entlang der eigenen Biografie als Sohn einer jüdischen Ferrareser Familie - ein Protokoll der Mussolini-Jahre in seiner Heimatstadt geschrieben. Und er hat Ferrara mit den Gärten der Finzi-Contini einen berühmten Schauplatz geschenkt, der so niemals existierte.

Gestaltung: Antonia Löffler

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Giorgio Bassani. "Die Gärten der Finzi-Contini". Aus dem Italienischen übersetzt von Herbert Schlüter. Erschienen im Wagenbach Verlag

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