Gemälde von drei Frauen, die jeweils etwas in der Hand halten, eine Blume, ein Glas und eine Schale.

REINHARD HAIDER

Funkes Frauen

Ein Sommer voller Museen in Österreich 1

LENTOS Kunstmuseum Linz

Die Haare im Nacken verknotet, blicken die drei Frauen den Betrachter direkt und selbstbewusst an. Die deutsche Künstlerin Helene Funke (1869-1957) hat die "Drei Frauen" 1915 gemalt. Das Bild kann als Symbolwerk einer Übergangszeit gelesen werden, erklärt Hemma Schmutz, künstlerische Leiterin des LENTOS. Denn bis zur Jahrhundertwende wurden Frauen in der Kunst vorwiegend als Objekte geduldet. Eigenständige Malerinnen hatten Seltenheitswert: "Damals wurden Frauen bei dem Wunsch Künstlerin zu werden nicht unbedingt unterstützt."

In Paris gelang Funke der Durchbruch, und auch in Wien stellte sie mit den Größen ihres Fachs aus - die Kritik würdigte sie dennoch kaum eines Blickes. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich Funke schon früh für die Gleichberechtigung der Frau stark machte. Ein Gedanke, den auch das Lentos mit seiner aktuellen Ausstellung aufgreift und weiterdenkt: Dort hängen Funkes "Drei Frauen" nicht in einem klassischen White Cube. Vielmehr offenbaren die unteren Ausstellungsräume des Linzer Museums an der Donau derzeit eine knallig bunte Welt, ein Ausstellungskonzept der Gegenwartskünstlerin Jakob Lena Knebl, die sich für das LENTOS mit Frauenbildnissen auseinandergesetzt hat. Bilder wie Helene Funkes "Drei Frauen" erleben in dieser Umgebung eine politische Neubewertung, so Hemma Schmutz.

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LENTOS Kunstmuseum Linz
Ernst-Koref-Promenade 1, 4020 Linz

Objekt: Gemälde "Drei Frauen" von Helene Funke (1915) in einer Ausstellungsumgebung von Jakob Lena Knebl

Service

LENTOS Kunstmuseum Linz

Anhand von jeweils einem besonderen Objekt aus der Sammlung werden in der Radioserie Das Objekt der Begierde ausgewählte Museen auf Ö1 vorgestellt. Die insgesamt fünfzig Beiträge ergeben bis Ende September 2020 ein sommerliches Puzzle der Kultur-, Natur- und Kunstgeschichten Österreichs.

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