Haarlocke Beethovens

PETER UND BIRGIT KAINZ

Kultobjekt und Biomonitor

Ein Sommer voller Museen in Österreich 1

Beethoven Museum / Wien Museum

Als sich die Nachricht von Ludwig van Beethovens Tod herumspricht, besucht Freund Stephan von Breuning, der Sohn einer adeligen Bonner Familie, den Toten ein letztes Mal, um seinem Vater Emanuel Joseph von Breuning und seiner Frau Helene ein Andenken in Form einer Locke zu besorgen, erzählt Lisa Noggler, Kuratorin für Musik am Wien Museum. Doch als Stephan von Breuning das Totenbett besucht, ist der Komponist ein Glatzkopf. Sein Sekretär Anton Schindler hatte ihn kahlrasiert, und die Haare später zum Teil vermutlich auch verscherbelt. "Wir wissen es nicht genau", meint Lisa Noggler. "Aber das bedeutet, da gibt's auch schon einen Kult direkt nach seinem Tod, und eine Begierde."

Auf den ersten Blick wirkt so eine Haarlocke wie ein banales Beethoven-Kultobjekt. Im hochgefeierten 250. Geburtsjahr von Beethoven liegt es nahe, dass das Wien Museum seinen Standort in Heiligenstadt, das Beethoven-Haus, damit bewerben möchte. Auf den zweiten Blick aber erzählt diese Haarlocke tatsächlich einiges mehr. Darüber, wie es Beethoven ging, welche körperlichen und psychischen Beschwerden er hatte. An seinem Wohnort in der Heiligenstädter Probusgasse, dem heutigen Beethoven Museum, schrieb er das Heiligenstädter Testament an seine Familie in Bonn, ein Brief voller Depression und Verzweiflung.

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Beethoven Museum / Wien Museum
Probusgasse 6, 1190 Wien

Objekt: Haarlocke von Ludwig van Beethoven

Service

Beethoven Museum

Anhand von jeweils einem besonderen Objekt aus der Sammlung werden in der Radioserie Das Objekt der Begierde ausgewählte Museen auf Ö1 vorgestellt. Die insgesamt fünfzig Beiträge ergeben bis Ende September 2020 ein sommerliches Puzzle der Kultur-, Natur- und Kunstgeschichten Österreichs.

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Gestaltung