Markus Veinfurter mit dem Dom-Archivar Reinhard Gruber vor dem Stephansdom

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Stephansdom, Pötzleinsdorf, Jiddisch

"Die geheimen Botschaften des Stephansdoms" +++ Sommerfrische in Pötzleinsdorf - Erinnerungen an seine jüdischen Bewohner/innen +++ Ein Evergreen der Verständigung - Jiddisch (nicht nur) in Lemberg +++ Vom Öffnen, sich Entwickeln und Entfalten - Bibelessay zu Matthäus 15,21-28

1. Interessantes und Inspirierendes zum sommerlichen Wiederhören: Reihe "Wo sich Himmel und Erde berühren. Der Wiener Stephansdom"
Teil IV: "Die geheimen Botschaften des Stephansdoms"

Für nicht wenige Menschen ist eine Kirche an sich schon ein etwas rätselhaftes Gebäude - mit ihrer eigenen Formen- und Symbolsprache. Umso mehr gilt das für eine so besondere Kirche wie den Wiener Stephansdom. In den mehr als 800 Jahren seiner Geschichte hat sich viel "Geheimnisvolles" in seinem Äußeren und in seinem Inneren angesammelt. Und sogar in seiner Anlage, in seinen Maßen, folgt dieses Bauwerk den Vorgaben einer durchaus rätselhaften Zahlenmystik. Markus Veinfurter hat mit Domarchivar Reinhard Gruber eine kleine Spezial-Führung unternommen.


2. Sommerfrische in Pötzleinsdorf - Erinnerungen an seine jüdischen Bewohner/innen

Den halben Hausrat oder mehr einpacken, vor jedem Sommer einen Quasi-Umzug organisieren, per Kutsche dann alles von A nach B verfrachten - und selbst den Weg vielleicht per Pferdestraßenbahn zurücklegen, auf dem damals neuesten Stand der Transporttechnologie... So muss man sich das wohl vorstellen, wenn wohlhabende Wiener Familien im 19. Jahrhundert in die Sommerfrische gefahren sind - zum Beispiel nach Pötzleinsdorf, heute im 18. Bezirk Wiens gelegen. Eigene Villen haben sich die Familien mit der Zeit dafür errichten lassen: mit Erkern und Türmchen, kunstvoll gestaltet, Baujuwele des Jugendstil. Nicht wenige der Bauten hatten jüdische Bewohnerinnen und Bewohner. Darauf weist ein neues Buch der Wiener Autorin und Historikerin Marie-Theres Arnbom hin, die die Geschichte des heutigen Wiener Stadtteils dem Vergessen entreißen will. Im Zuge eines sommerlichen Spaziergangs hat sie Brigitte Krautgartner vieles erzählt: warum Studierende der Wiener Universität für Bodenkultur inmitten von besonders faszinierenden Bäumen untergebracht sind - und warum es zwischen all den so liebevoll gestalteten Villen neuere Wohnbauten gibt, die zum Teil wie Fremdkörper wirken.


3. Ein Evergreen der Verständigung - Jiddisch (nicht nur) in Lemberg

Jiddisch, das hat man vielleicht im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert eher in den Straßen von Wien-Leopoldstadt als von Wien-Pötzleinsdorf gehört - und doch wird diese mehr als 1000 Jahre alte Sprache bis heute von Brooklyn über Buenos Aires, London, Antwerpen bis Jerusalem gesprochen. Und von ganz wenigen Menschen auch jetzt noch in Lemberg, dem heutigen Lwiw, der geschichtsträchtigen Stadt in der West-Ukraine, dem historischen Galizien. Die Mischung aus Mittelhochdeutsch, Hebräisch und slawischen Einflüssen wird mit hebräischen Buchstaben geschrieben und ist für deutschsprechende Menschen doch verständlich. Davon hat sich Benjamin Breitegger überzeugen können, als er vor Kurzem den 97-jährigen Baruch Dorfman in Lemberg besucht hat.


4. Vom Öffnen, sich Entwickeln und Entfalten - Bibelessay zu Matthäus 15,21-28

Es ist kein einfacher Text, der am Sonntag, dem 16. August, in katholischen Kirchen als Evangelium zu hören ist - und den sich der Priester und Sozialethiker Markus Schlagnitweit für seinen LEBENSKUNST-Bibelessay ausgesucht hat. Die Erzählung geht auf den aus dem Judentum kommenden Verfasser des Matthäus-Evangeliums zurück und damit auf das Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus. Was hier unter anderem angesprochen wird, ist die anfängliche Abgrenzung jenes Volkes, das den einen und ewigen Gott verehrt, von anderen Völkern, die mehreren Göttern huldigen. Das eine Volk, das Judentum, hat der Kulturhistoriker und Katholik Friedrich Heer als "Gottes erste Liebe" bezeichnet. Und dieses Judentum, so der Religionswissenschaftler Schalom Ben Chorin, ist auserwählt zum Gleichnis für alle Menschen. Eine Auserwähltheit, mit der es nicht leicht zu leben ist, die Verantwortung bedeutet, und die als ethische Verpflichtung verstanden wird, Vermittler zwischen dem Ewigen und der gesamten Schöpfung bis heute zu sein. Dieser Gedanke hat sich im Laufe der Zeit durchgesetzt und ist besonders auch von Jesus, dem Juden, unterstützt worden. Doch nicht sofort, wie Markus Schlagnitweit erörtert und die Geschichte einer Lernbereitschaft, Entwicklung und Entfaltung erzählt.

Service

Marie-Theres Arnbom, "Die Villen von Pötzleinsdorf", Verlag Amalthea

Bibelessay zu Matthäus 15,21-28

Sendereihe

Gestaltung

  • Doris Appel

Playlist

Komponist/Komponistin: Georg Friedrich Händel/1685 - 1759
Titel: Nisi Dominus (Gloria patri) HWV 238 - Geistliches Konzert für Soli, Chor, Streicher und B.c.
* 10. Nisi Dominus (00:02:30)
Chor: Choir of Westminster Abbey
Leitung: Simon Preston
Orchester: Orchestra of Westminster Abbey
Solist/Solistin: Diana Montague /Alt
Solist/Solistin: John Mark Ainsley /Tenor
Solist/Solistin: Simon Birchall /Baß
Solist/Solistin: Roy Goodman /Violine
Solist/Solistin: Angela East /Violoncello
Solist/Solistin: Harry Bickett /Orgel
Länge: 02:30 min
Label: DG 4235942

Komponist/Komponistin: Ines Lins
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Ines Lins
Komponist/Komponistin: Günther Burger
Album: GODSOUND
Titel: I Believe In You
Solist/Solistin: Ines Lins
Länge: 03:53 min
Label: Godsound Records Reloaded Ed

Komponist/Komponistin: Wolfgang Amadeus Mozart/1756 - 1791
Titel: Litaniae de venerabili altaris sacramento in Es-Dur KV 243/Litanei vom Allerheiligsten Altarssakrament - für Soli, Chor, Orchester und Orgel
* Nr.1 Kyrie / Soli und Chor (00:03:27)
Solist/Solistin: Patrizia Kwella /Sopran
Solist/Solistin: Ulla Groenewold /Alt
Solist/Solistin: Christoph Pregardien /Tenor
Solist/Solistin: Franz Josef Selig /Baß
Chor: Kölner Kammerchor
Orchester: Collegium Cartusianum
Leitung: Peter Neumann
Länge: 03:27 min
Label: EMI CDC 7493792

Komponist/Komponistin: Richard Strauss/1864 - 1949
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: John Henry Mackay/1864 - 1933
Album: JESSYE NORMAN SINGT LIEDER VON RICHARD STRAUSS
Titel: Morgen, op.27 Nr.4
Textanfang: Und morgen wird die Sonne wieder scheinen, und auf dem Wege, den ich gehen werde, wird uns, die Glücklichen, sie wieder einen inmitten dieser sonnenatmenden Erde
Solist/Solistin: Jessye Norman /Sopran
Orchester: Gewandhausorchester Leipzig
Leitung: Kurt Masur
Länge: 03:55 min
Label: ETERNA 329250

Komponist/Komponistin: Traditional
Album: Schpil ess noch amol!
Titel: Rebe Elimelech
Ausführende: 10 Saiten 1 Bogen
Solist/Solistin: Herwig Strobl /Fidl, Gesang
Solist/Solistin: Ivo Truhlar /Gitarre, Banjo, Percussion
Solist/Solistin: Vasile Nita /Kontrabaß
Solist/Solistin: Barbara Konogler /Akkordeon
Länge: 02:53 min
Label: Eigenverlag CD207131

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