Ursina Lardi während der Fotoprobe zum Stück "Everywoman" von Milo Rau.

APA/BARBARA GINDL

City Science Talk

Der Kompass zum Ich. Von Elektra bis Everywoman und Jedermann
Gestaltung: Elisabeth J. Nöstlinger

"Wir können heute über den Ozean fliegen, hören und sehen. Aber der Weg zu uns selbst und zu unseren Nächsten ist sternenweit".

Max Reinhardt, einer der Gründerväter der Salzburger Festspiele, sprach in seiner berühmten "Rede über den Schauspieler" 1928 aber auch davon, dass in jedem Menschen die Sehnsucht nach Verwandlung lebt.

Die Biochemikerin, Bestsellerautorin und Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt, hat über die Wandlungsfähigkeit des Menschen ein Buch mit dem Titel "Individuation, wie wir werden, wer wir sein wollen", geschrieben. Gerade Schauspielern und Schauspielerinnen gelingt das möglicherweise dann, wenn sie bei ihrer dargestellten Figur Schnittstellen zu sich selbst finden.
Jede/r arbeitet auf seine/ ihre Weise daran: Da meißelt der/die eine an seinen Figuren bis zum Schluss und der/die andere will die Welt durch das Theater im kollektiven Prozess verändern.

Milo Rau, Regisseur, Theaterautor, Essayist und Soziologe fragt gemeinsam mit der Schauspielerin Ursina Lardi, ob es ein richtiges Leben im falschen gibt.

"Everywoman" heißt das gesellschaftskritische Stück, das die beiden erarbeiten. Mit dieser weiblichen Perspektive auf den spätmittelalterlichen Stoff des "Everyman", auf den sich auch Hugo von Hofmannsthal in seinem "Jedermann" bezog, schließt sich der Kreis der 100-jährigen Festspielgeschichte. Wie Jedermann am Domplatz, hat Everywoman alles gehabt und alles gemacht: Partys, Sex, Geld und Arbeit so viel sie wollte. "Sie hat alle gesellschaftlichen Rollen gespielt und alle Städte dieser Welt gesehen. Sie kennt weder Moral noch Maß. Als sie jedoch mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert wird, erkennt sie, dass sie ihr Leben ändern muss." Aber wie? Darüber diskutiert Milo Rau unter der Moderation von Elisabeth J. Nöstlinger mit Christina Berndt, Bettina Hering und dem Dirigenten Franz Welser-Möst. Wie wir in Welser Mösts Buch "Als ich die Stille fand" erfahren, ist auch für ihn das "Sich-immer-wieder-Neu-erfinden" von zentraler Bedeutung.

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