Flüchtlingskinder im zweiten Weltkrieg

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Das Ende einer langen Reise

"Wo andere Leute wohnen". Von Lore Segal. Es liest Dörte Lyssewski.

"Wo andere Leute wohnen" heißt Lore Segals erster und bekanntester Roman. Wo andere Leute wohnen, war Lore Segal nur zu Gast. Das zehnjährige jüdische Mädchen entkommt der nationalsozialistischen Verfolgung 1938 mit dem Kindertransport nach Großbritannien, wo es bei einem halben Dutzend Pflegefamilien aufwächst. Erst im Mai 1951 erhält ihre - geschrumpfte - Familie schließlich die Einreiseerlaubnis in die USA.

Hier spielt das letzte und zwölfte Kapitel ihres autobiografischen Romans. "New York - Mein eigenes Zuhause" heißt es. Lore ist Mitte zwanzig und ihre Welt ist jetzt Manhattan - sie jobbt als Textildesignerin und Bürohilfe, geht aus, wehrt sich gegen die Verkupplungsversuche ihrer Großmutter, sucht nach "echten" Amerikanern und will eigentlich nur schreiben und Schriftstellerin werden.

All das erzählt sie unaufgeregt, nüchtern, ironisch und auch selbstironisch - und auf Englisch. Im Original erschien der Roman unter dem Titel "Other Peoples' Houses" 1964. Erst 2000 folgte die deutsche Ausgabe in der Reihe "Österreichische Exilbibliothek" im Picus Verlag.

Lore Segal wohnt auch heute noch in New York. Gegen Ende des Buchs schreibt sie: "Es ist, glaube ich, diese Art, wie sich unsere Geschichten in die Luft legen, auf die Straßen, auf die Häuser von New York, was den Fremden eingemeindet."

Gestaltung: Antonia Löffler

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Lore Segal, "Wo andere Leute wohnen" aus "Wo andere Leute wohnen". Aus dem Amerikanischen von Sabina Illmer. Erschienen in der Reihe "Österreichische Exilbibliothek" im Picus Verlag, Wien, 2000

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