Carl Hegemann

THOMAS AURIN

"Die Weiterentwicklung der Brechtschen Gedanken"

Der Dramaturg Carl Hegemann im Gespräch

Er galt als enger Vertrauter Christoph Schlingensiefs und prägte als Dramaturg der Berliner Volksbühne die deutsche Theaterlandschaft der 1990er und Nullerjahre. 1992 kommt Carl Hegemann - als westdeutscher Dramaturg politisch unverdächtig - an die Volksbühne. Dort wird er gemeinsam mit Intendant Frank Castorf und Regisseur Christoph Schlingensief sowie dem Dramaturgen Matthias Lilienthal die Grenzen dessen, was das Theater zu leisten vermag, neu ausloten. Die Volksbühne wird zum tonangebenden Kreativbiotop des wiedervereinigten Deutschland und begeistert vor allem ein junges Publikum. Die Regisseure des Hauses brechen mit der Tradition des deutschen Regietheaters: Den Bühnenraum erweiternde Filmprojektionen, Videokameras, die das Live-Bühnengeschehen projizieren werden zu einem Stilmittel, das später vielfach nachgeahmt wird.

Ab 2004 wird Carl Hegemann mit Christoph Schlingensief an dessen Inszenierung des "Parsifal" für die Bayreuther Festspiele arbeiten. Der einstige Undergroundfilmer Schlingensief ist endgültig in der Hochkultur angekommen und fordert das kulturkonservative Opernpublikum am Grünen Hügel mit einer wahren Bilder- und Projektionsflut dazu auf, dem Wagnerschen Weihespiel neue Facetten abzugewinnen. 2010 stirbt Christoph Schlingensief im Alter von 49 Jahren an Lungenkrebs. Seither gehört Carl Hegemann zu jenen einstigen Wegbegleitern, die das Erbe des Aktionskünstlers lebendig halten. Am 24. Oktober 2020 wäre Christoph Schlingensief 60 Jahre alt geworden. Anlass für Carl Hegemann lakonisch festzustellen, dass Schlingensiefs Aktionskunst "heute wahrscheinlich keine Chance mehr hätte."

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