Chronic Fatigue Syndrome

Wenn die Erschöpfung das Leben verdrängt

Für eine junge Frau wird der Weg von der Toilette zurück ins Bett zur Unmöglichkeit. Für einen jungen Mann wird die tägliche Dusche zum Kraftakt. Ein guter Tag erlaubt einen Gang durchs Stiegenhaus hinunter zum Postkasten. Soziale Interaktionen sind kräfteraubend. Der Alltag wird zur Herausforderung.
Für eine junge Frau wird der Weg von der Toilette zurück ins Bett zur Unmöglichkeit. Für einen jungen Mann wird die tägliche Dusche zum Kraftakt. An einem guten Tag schafft er es bis zum Postkasten im Erdgeschoß. Soziale Interaktionen sind schon zu kräfteraubend, selbst telefonieren geht nur manchmal. Der Alltag wird zur Herausforderung.

Ca. 30.000 Menschen betroffen

Häufig trifft es junge Menschen zwischen 15 und 35 Jahren und mehr Frauen als Männer. Fatigue bedeutet Müdigkeit oder Erschöpfung und wurde im Jahr 2000 von dem Onkologen Gregory Curt als Erkrankung definiert.
Während Fatigue häufig als Folgeerscheinung von Krankheiten wie Krebs, TBC oder Multiple Sklerose auftritt, ist das chronische Fatigue Syndrom (CFS) eine eigenständige Erkrankung.

Erschöpfung auf allen Ebenen

Das Hauptsymptom ist eine physische und kognitive Belastungsintoleranz. Für andere Personen kaum merkbare Anstrengungen führen sofort zur Verschlechterung des Zustands.
Bei CFS handelt es sich um eine Multisystemerkrankung. Die Symptome sind daher sehr weitreichend und je nach Krankheitsfall unterschiedlich ausgeprägt. So kann es zusätzlich zu Kreislaufproblemen, Reizempfindlichkeit, Glieder-, Gelenks-, Muskelschmerzen, gastrointestinalen Beschwerden, nicht erholsamem Schlaf etc. kommen. CFS tritt in unterschiedlichen Schweregraden auf und kann im schlimmsten Fall zu Pflegebedürftigkeit führen. Viele Menschen werden dadurch arbeitsunfähig, können nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Psyche und kann zu Depressionen führen.

Diagnose - ein langer, steiniger Weg

Wie viele Menschen in Österreich vom Chronic Fatigue Syndrome betroffen sind, kann nur geschätzt werden. Denn der Weg zur Diagnose ähnelt einer Odyssee. Oft irren die Erkrankten fünf oder mehr Jahre durch die verschiedenen Stationen des Gesundheitssystems.
Bildgebende Verfahren geben keinen Aufschluss und auch klassische Blutbilder liefern keine eindeutigen Befunde. Außerdem überschneiden sich viele klinische Symptome mit anderen Krankheiten und daher wird häufig leichtfertig die Diagnose einer psychischen Erkrankung gestellt. Dann befinden sich die Erkrankten endgültig in einer Sackgasse.

Ursache unklar

Da die Ursache noch nicht geklärt ist, gibt es auch keine Medikamente dagegen. Bei einem Großteil der Fälle tritt CFS nach einem vorangegangenen viralen Infekt (Epstein-Barr-Virus, Herpesviren, Influenza, etc.) auf. Der Körper bleibt lapidar gesagt im Infektionsmodus hängen. Außerdem könnte es sein, dass es sich bei CFS um eine Autoimmunerkrankung handelt.

Versorgungslage prekär

Es gibt in Österreich keine spezialisierte Ambulanz und daher keine Anlaufstelle für Betroffene. Außerdem ist das Krankheitsbild vielen Ärzten nicht bekannt. Um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, hat ein Erkrankter vor ein paar Jahren eine Selbsthilfegruppe gegründet. Mittlerweile ist die CFS-Hilfe Österreich mehr als nur eine Community. Sie berät, informiert und vermittelt.

Zusammenhang mit Covid-19

Es gibt viele Covid-19 Erkrankte, die keine Organschäden erlitten haben und trotzdem über Monate hinweg noch beeinträchtigt sind. Das ist meist der Fall bei milden Verläufen. Die Beschwerden ähneln dem Symptomkomplex von CFS. Es handelt sich dabei um keine coronaspezifischen Reaktionen. Daher stützt die Annahme, dass post-infektiös zur Entstehung von CFS kommen kann. Aufgrund dieses Zusammenhangs ist nun ein hohes Forschungsinteresse am Thema CFS entfacht.

Wir nehmen uns dieser "vernachlässigten Krankheit" (Zitat Prof. Dr. Carmen Scheibenbogen, Fachärztin für Immunologie) an und befragen einen der wenigen Spezialisten in Österreich und eine Expertin zu dem Thema CFS und sprechen mit Betroffenen über ihren Alltag mit der Erkrankung.

Diskutieren Sie mit! Unter 0800/22 69 79 - kostenfrei aus ganz Österreich.

Erlebten Sie jemals eine längere Phase der Erschöpfung?
Waren Sie nach einer schweren Erkrankung wochenlang schachmatt gesetzt?
Gibt es jemanden in Ihrem Familien - oder Bekanntenkreis, der von CFS betroffen ist?
Was hat Ihnen geholfen, die Erschöpfung zu lindern?

Moderation: Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz
Sendungsvorbereitung: Lydia Sprinzl
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

Service

Studiogast im FH Wien:

Dr. Michael Stingl
Facharzt für Neurologie
Fachzentrum Votivpark
Garnisongasse 7/13
1090 Wien
Tel.: (01) 402 22 22
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Gäste am Telefon:

Assoz.-Prof.in Priv.-Doz.in DDr.in Eva Untersmayr-Elsenhuber
Fachärztin für Immunologie
Medizinische Universität Wien
Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung
Tel.: (01) 140400 - 51210
E-Mail

Frau Anna
Von CFS betroffen.

Kevin Thonhofer
Von CFS betroffen.
Öffentlichkeitsarbeit bei CFS-Hilfe Österreich
E-Mail
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Infolinks:

Selbsthilfegruppe und Beratungsstelle CFS-Hilfe Österreich
Das Fatigue Centrum der Charité - Universitätsmedizin Berlin
Deutsche Gesellschaft für ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome)
Michael Stingl über das Chronic Fatigue Syndrome
Interview mit einem an CFS erkrankten Mediziner
Erfahrungsbericht aus Sicht der Freundin einer Betroffenen
CFS als mögliche Spätfolge von Covid-19
Dr. Michael Stingl über den Zusammenhang von Covid-19 und CFS
Forschungen an der Stanford University über einen möglichen aufschlussreichen Bluttest
Europäisches Parlament verabschiedet Resolution zu CFS
TED-Talk-Beitrag von Jennifer Brea, die einen Film über ihre eigene CFS-Erkrankung gedreht hat

Sendereihe