Radiodoktor - Medizin und Gesundheit

Lockdown reloaded

Was ist der Plan?


Und wieder einmal wird zugesperrt, diesmal ein wenig sanfter. Doch nach wie vor hält das SARS-Cov-2-Virus die Welt in Geiselhaft. Angesichts der steigenden Zahlen der infizierten Personen, der knapper werdenden Ressourcen in den Kliniken und auf den Intensivstationen sowie der drohenden Triage herrscht doch ein breiter Konsens in der Bevölkerung, auch diesmal die Maßnahmen mitzutragen. Noch, denn in den letzten Monaten mehren sich Einwände gegen den Umgang mit der Pandemie. Waren anfangs nur vereinzelt kritische Stimmen zu hören, die gerne rasch mal dem Lager der "Corona-Leugner" zugeordnet wurden, hat sich mittlerweile ein breiter wissenschaftlicher Diskurs etabliert.

Gelernt aus dem ersten Lockdown

Im Gegensatz zum ersten Lockdown geht man dieses Mal mit etwas weniger Panik an die Sache, da sich sowohl das Wissen um die Verbreitung des Virus als auch die Behandlungsstrategien verbessert haben. Doch nach wie vor befürchten manche das Schlimmste. Viele warten wie gelähmt auf die heilsversprechende Impfung.
Zwar wird betont, aus den Fehlern der ersten Welle gelernt zu haben, Gastronomen, Kulturschaffende und Eltern sehen die Sache jedoch naturgemäß etwas anders.
So stellt sich die Frage, ob in Bälde nicht auch ein dritter und ein vierter Lockdown nötig sein werden. Außerdem - werden wir in Zukunft bei jeder Pandemie mit einem Schweinegrippe-Virus, dem nächsten SARS-Virus usw. mit einem kompletten Stillstand unseres Lebens rechnen müssen? Es sei daher ein Plan nötig, um "bereit für das nächste Mal" zu sein, wie das gleichnamige Buch von Intensivmediziner Rudolf Likar einfordert.

Gesundheitlich und sozial vulnerable Gruppen

Da ältere Personen, vor allem jene, die in Pflegeeinrichtungen leben, in Bezug auf Corona zu den Risikogruppen gehören, gilt es, diesen Menschen einen besonderen Schutz zukommen zu lassen. Nach einer vom Gesundheitsministerium im Sommer publizierten Studie gab es bis Ende Juni 2020 bei 1,3 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner Infektionen mit SARS-CoV-2. Außerdem lebte mehr als die Hälfte aller Frauen und ein Viertel aller Männer, die an COVID-19 verstarben, in einem Alten- oder Pflegeheim. Die Besuchsbeschränkungen und -verbote, sowie die Empfehlung, ältere Personen auch nicht im privaten Bereich aufzusuchen, schienen nötig, um die Zahl der Infekte zu limitieren.
Allerdings zu einem hohen Preis: Neben der Einsamkeit durch die soziale Isolation kam es zu Situationen, wo sich Menschen nicht von einem sterbenden Familienmitglied verabschieden konnten.
Die Lehren daraus habe man gezogen, so die Geriatrie-Expertin Regina Roller-Wirnsberger. Unter strengen Sicherheitsauflagen sind Besuche in Kranken- und Pflegehäusern erlaubt, Ausnahmen gibt es zudem für Palliativ- und Hospizbegleitung.

"Generation Corona"

Der Spagat, die vulnerable ältere Bevölkerungsgruppe zu schützen und auf der anderen Seite nicht der Jugend den schwarzen Peter zuzuschieben, wie es zurzeit gemacht wird, sei eine Herausforderung, wie Bernhard Heinzlmaier vom Institut für Jugendforschung erklärt: "Jugend-Bashing ist nicht angebracht!"
Schließlich werden die Maßnahmen mitgetragen, obwohl gerade diese Gruppe am wenigsten direkt davon betroffen ist, jedoch am meisten unter dem Wegfall der sozialen Kontakte leidet. Schließlich kämpft die "Generation Corona" weniger mit den gesundheitlichen, sondern vor allem den wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen der Krise. Und die Zukunftsaussichten haben sich, angesichts der von vielen Jugendlichen befürchteten Weltwirtschaftskrise in den kommenden Jahren, verdüstert.
Dr. Ronny Tekal diskutiert in der aktuellen Ausgabe des Radiodoktors mit seinen Gästen einen möglichen Ausweg aus einer, nicht nur medizinisch, sondern vor allem gesellschaftlich schwierigen Situation.

Eine Sendung von Dr. Christoph Leprich und Dr. Ronny Tekal.

Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Haben Sie Familienmitglieder, die in einer Pflegeeinrichtung leben?
Besteht die Möglichkeit, sie zu besuchen?
Wie erleben Sie als Jugendlicher/junger Erwachsener die Situation?
Ist der derzeitige Lockdown gerechtfertigt?
Wie sollte der Plan, Ihrer Meinung nach, auf längere Frist aussehen?

Service

Gast im Landesstudio Kärnten:

Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar
Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Zentrum für Interdisziplinäre Schmerztherapie und Palliativmedizin
Klinikum Klagenfurt am Wörthersee
Feschnigstraße 11
A-9020 Klagenfurt am Wörthersee
Tel: +43/436/538-0
E-Mail
Homepage

Gäste am Telefon:

Prof. Mag. Bernhard Heinzlmaier
Sozialwissenschaftler
Institut für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung
Alserbachstr. 18/7.OG
A-1090 Wien
Tel: +43/1/532 67 95
E-Mail
Homepage

Univ.-Prof.in Dr.in Regina Roller-Wirnsberger, MME
Fachärztin für Innere Medizin und Geriatrie
Medizinische Universität Graz
Auenbruggerplatz 15
A-8036 Graz
Tel: +43/316/385 12274
E-Mail
Homepage

Weitere Anlaufstellen und Infolinks:

Corona-Virus in Österreich: Daten und Karten
News zum Coronavirus
[https://orf.at/corona/stories/3158087/|Hotlines, Tipps und Unterstützung

Gesundheitsministerium - Schutzmaßnahmen-Verordnung - Lockdown 2
Österreichische Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (ÖGGG)
Verschärfte Maßnahmen in Alters- und Pflegeheimen
CoV-Maßnahmen zu spät (Richard Greil, salzburg,orf.at)
Institut für Jugendkulturforschung
Corona und Du - Infoportal zur psychischen Gesundheit für Kinder und Jugendliche (LMU München)
Corona-Krise: Wie groß ist die psychische Belastung für Kinder und Jugendliche? (Uniklinik Innsbruck, 2020)
Die Jugend als Sündenbock - Brigitte Sindelar/Sigmund Freud Universität (News 8/2020)
Covid 19 - Informationsservice für Kunst- und Kulturschaffende

Bücher:

Rudolf Likar u.a., "Bereit für das nächste Mal: Wie wir unser Gesundheitssystem ändern müssen", Edition a 2020

Robert Bering, Christiane Eichenberg, "Die Psyche in Zeiten der Corona-Krise", Klett-Cotta-Verlag 2020

Günther Loewit, "Sehnsucht Unsterblichkeit - Wie die Medizin zur neuen Religion der Menschen wird", Goldegg Verlag 2020

Clemens G. Arvay
Wir können es besser: Wie Umweltzerstörung die Coronapandemie auslöste und ökologische Medizin unsere Rettung ist
Quadriga Verlag 2020

Sendereihe

Gestaltung