Armut durch Corona

Armutsgefährdete Frauen und Kinder - Durch Corona doppelt hart getroffen

Armutsgefährdete Frauen und Kinder - durch Corona doppelt hart getroffen

Den Ausdruck "Ausnahmesituation" sollte man nicht inflationär verwenden - doch das Coronavirus SARS-CoV-2 hat uns tatsächlich in eine prekäre Verhältnisse gebracht. Jede und jeder ist betroffen. Doch die aktuelle Situation verdeutlicht - bei genauerem Hinsehen- dass jene, die bereits vorher am Rand der Gesellschaft standen, ganz besonders unter den Auswirkungen der Pandemie zu leiden haben. Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen, Gruppen wie Arbeitslose, Alleinerziehende, ältere Frauen mit niedrigen Pensionen, chronisch Kranke - und Kinder. Die Corona-Pandemie ist wie ein Brennglas, das Ungerechtigkeiten und Missstände aufzeigt.

Man kann es nicht oft genug sagen!

"Arme Kinder sind kranke Kinder!", so Prim.a Dr.in Sonja Gobara, ärztliche Leiterin des "Ambulatorium Sonnenschein", einem Diagnose- und Behandlungszentrum für Kinder und Jugendliche mit speziellen Bedürfnissen in St. Pölten. "Die Behandlung darf nicht unterbrochen werden, und jeder Cent, der in diese Kinder investiert wird, ist eine Investition in die Zukunft!" Denn insbesondere Kinder, die in armutsgefährdeten Familien aufwachsen, aber auch ältere Frauen mit niedrigen Pensionen und Alleinerziehende sind die besonderen Verlierer der Corona-Krise.

Armut ist weiblich

Auch in unserem Land haben Frauen gegenüber Männern selbst im Jahr 2020 immer noch ein erhöhtes Armutsgefährdungsrisiko. Mehr als eine halbe Million Frauen sind in ihrer Existenz gefährdet. Die durchschnittliche Alterspension von Frauen beträgt mit rund 1.028 Euro um 650 Euro weniger als die durchschnittliche Pension von Männern.
Dabei leisten viele Frauen in ganz Österreich in diesen Monaten eine systemrelevante Arbeit - beruflich und privat. Denn es sind sie, die in vielen Fällen die Betreuung der Kinder sowie die Pflege der Eltern übernehmen. Daher verdienen sie meist weniger, sind weniger gut abgesichert.

Kaum überwunden

Schon der 1. Lockdown traf Armutsbetroffene besonders heftig. Wegen ihres tendenziell schlechteren Gesundheitszustandes gehören sie überdurchschnittlich oft einer Risikogruppe an. Viele von ihnen waren total verunsichert. Manche verließen im Frühjahr nie das Haus und vereinsamten noch mehr. All dies verursachte bzw. vergrößerte psychische Probleme: Ängste, Aggressionen und Depressionen.

Der Winter ist da

Nun befinden wir uns im 2. Lockdown. Nicht nur die aktuellen Ausgangssperren, auch die zunehmend angespannte Situation am Arbeitsmarkt sowie die längerfristige Perspektivenlosigkeit lassen viele Menschen diese Zeit schwerer erleben als den 1. Lockdown. Ressourcen jeglicher Art sind aufgebraucht - und die kalte und dunkle Jahreszeit verschlimmert viele Probleme. Vor der Fragen Heizen oder Essen stehen in Österreich hunderttausende Menschen.

Besonders vulnerabel: Alleinerziehende

Erhöhtes Augenmerk verdienen auch alleinerziehende Mütter. Jede vierte alleinerziehende Frau in Österreich gilt als armutsgefährdet. Viele haben fast panische Angst, sich mit dem Virus anzustecken und machen sich Sorgen um ihre Kinder und wer sie im Falle des Falles versorgen würde.

Lernen zu Hause …

Das "Homeschooling" ist für viele Familien eine echte Herausforderung. Von Armut Betroffenen macht es das Leben zusätzlich schwer: Denn um am "Distance Learning" überhaupt teilnehmen zu können, braucht es einen Computer, ein schnelles, stabiles Internet sowie Drucker, Scanner sowie genug räumliche, zeitliche und nervliche Ressourcen, um sich dieser zusätzlichen Aufgabe zu stellen.


Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Sind Sie Alleinerzieherin?
Müssen Sie von der Mindestpension leben?
Haben Sie aufgrund der Lockdowns Ihre Arbeit verloren?
Kennen Sie Familien, die arm sind?
Was sollte Ihrer Meinung nach die Regierung für die armutsgefährdeten Kinder tun?


Moderation: Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz
Sendungsvorbereitung: Dr.in Maria Harmer und Dr. Christoph Leprich

Service

Studiogast im Funkhaus Wien:

Mag. Martin Schenk-Mair
Stellvertretender Direktor der "Diakonie"
Sozialexperte Armut, Gesundheit, Kinder- und Jugendhilfe
Albert Schweizer Haus
Schwarzspanierstraße 13
1090 Wien
Tel: +43 (0)1/409 8001-35451
E-Mail
Homepage

Am Telefon:

Prim.a Dr.in Sonja Gobara
Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde
Leiterin des Ambulatoriums Sonnenschein
A-3100 St. Pölten
Tel.: +43/(0)2742/75 305
E-Mail
Homepage

und

Doris Pettighofer
Österreichische Plattform für Alleinerziehende
Leitung der Geschäftsstelle
Türkenstraße 3/3
1090 Wien
Tel: +43/(1)890 3 890
E-Mail
Homepage

Anlaufstellen und Info-Links:

Armutsbetroffene und die Corona-Krise - Eine Erhebung zur sozialen Lage aus der Sicht von Betroffenen

Diakonie Österreich

Spendenkonto:
Erste Bank
IBAN: AT07 2011 1800 8048 8500
BIC: GIBAATWWXXX

Sanatorium Sonnenschein

Spendenkonto:
Raiffeisenbank Region St. Pölten
BIC: RLNWATWWOBG
IBAN: AT13 3258 5000 0124 4441

Plattform für Alleinerziehende

Spendenkonto:
IBAN: AT591420020010627070
BIC: EASYATW1

Caritas Österreich

Spendenkonto:
Erste Bank: IBAN AT23 2011 1000 0123 4560, BIC GIBAATWWXXX
Kennwort: Inlandshilfe
Online-Spenden: http://www.caritas.at/inlandshilfe

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