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AFP/THOMAS KIENZLE

Radiodoktor - Medizin und Gesundheit

Knalleffekt bei der altersbedingten Makuladegeneration

Ein neues Medikament wirkt auch gegen die trockene Form

Der Verlust des Augenlichtes ist eine der größten Bedrohungen. Leider nehmen die Netzhauterkrankungen mit dem Alter stark zu. Etwa 350.000 Personen in Österreich erblinden derzeit langsam. Verantwortlich dafür sind vor allem zwei Erkrankungsbilder: Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) und die diabetische Retinopathie - das sind die Schäden, die die "Zuckerkrankheit" an der Netzhaut verursacht.

Altersbedingte Makuladegeneration nimmt zu

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) zählt zu den häufigsten Schädigungen der Netzhaut und wird in zwei verschiedene Verlaufsformen unterteilt: die trockene und die feuchte AMD. In Österreich sind rund 150.000 Menschen von der altersbedingten Makuladegeneration betroffen. Etwa 15 Prozent davon leiden an der feuchten AMD, der aggressiveren Form. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden die Erkrankungszahlen in Zukunft steigen.
Bei der zum Glück eher langsam verlaufenden trockenen Form sterben zentrale Netzhautzellen langsam ab. Dies führt zu einer allmählichen Sehverschlechterung. Bei der feuchten AMD wachsen Blutgefäße an der Stelle des schärfsten Sehens und dies führt ebenfalls zum Absterben der dortigen Nervenzellen.
Die genauen Zusammenhänge der Entstehung sind noch nicht vollständig geklärt. Genetische Faktoren, Umwelteinflüsse, Rauchen und Übergewicht begünstigen das Risiko, an einer AMD zu erkranken.

Komplementärsystem spielt wichtige Rolle bei AMD

Bei der altersbedingten Makuladegeneration lagert sich zu viel Lipofuszin in bestimmten Zellen der Netzhaut ab. In weiterer Folge kommt es zum Absterben der Photorezeptoren. Die Sehfähigkeit im zentralen Gesichtsfeld geht langsam verloren. Gegen die feuchte AMD gibt es seit 15 Jahren Therapien, gegen die wesentlich häufigere trockene Form gab es die bisher nicht. Nun wird gerade eine neue Substanz in Studien getestet.
Dazu der Hintergrund: Es ist schon lange bekannt, dass Entzündungsprozesse bei der Entstehung der AMD eine zentrale Rolle spielen. Hier ist das Komplementärsystem des Menschen involviert. Die Substanz Avacincaptad Pegol ist nun in der Lage, den Komplementfaktor C5 zu erfassen und dessen Umwandung in die Fragmente C5a und C5b zu hemmen. Dies führt zu einer Abschwächung der Entzündungsreaktion an der Netzhaut.
Auch bei der schon seit längerer Zeit durch Spritzen ins Augeninnere behandelbaren feuchten Form der altersbedingten Makuladegeneration wird an neuen Darreichungsformen und Medikamenten mit verbesserter Wirksamkeit und Wirkdauer gearbeitet.
Diese Hemmstoffe des Faktors VEGF verhindern das krankhafte Gefäßwachstum und werden auch gegen die diabetische Retinopathie eingesetzt. Jahrzehntelang wurde ja der Laser zur Verödung der wild wuchernden Gefäße in der Netzhaut eingesetzt. Diese Therapieform rückt nun in den Hintergrund.

Diabetes schädigt auch das Auge

Geschätzt leiden rund 600.000 Menschen in Österreich an Diabetes. Jeder Dritte leidet an der Spätfolge diabetische Retinopathie. Diese Schäden an der Netzhaut entstehen durch dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte. Je nachdem ob die Veränderungen mit oder ohne Gefäßneubildungen einhergehen, unterscheidet man zwei Verlaufsformen: die nichtproliferative Retinopathie ist das erste Stadium, die proliferative Retinopathie das zweite Stadium der Netzhautschädigung.
Bei optimaler Kontrolle und Behandlung führt die Erkrankung nur in fünf Prozent der Fälle zu einer schweren Einschränkung des Sehvermögens.

Regelmäßige Kontrolle unumgänglich

Viele Erkrankungen der Netzhaut verlaufen schleichend und sind meist schon weit fortgeschritten, wenn die Betroffenen einen Sehverlust bemerken. Daher kommt der Früherkennung besondere Bedeutung zu. Konnten die Augenärzte früher nur die Netzhautoberfläche betrachten, ermöglicht die Optische Kohärenz-Tomographie (OCT) ein Querschnittsbild der einzelnen Netzhautschichten. Schäden der Retina lassen sich so völlig schmerzfrei und in kurzer Zeit feststellen. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz in Kombination mit der OCT soll zukünftig die Diagnose noch einfacher machen.

Moderation: Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger
Sendungsvorbereitung: Lydia Sprinzl, MA
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Fragen:
Haben Sie eine Erkrankung der Netzhaut?
Haben Sie eine altersbedingte Makuladegeneration - wie werden Sie behandelt?
Liegt bei Ihnen die feuchte Form der AMD vor? Haben Ihnen die Injektionen ins Augeninnere geholfen?
Sind Sie zuckerkrank und in augenärztlicher Behandlung?

Service

Sendungsgast im Funkhaus Wien:

OA. Priv. Doz. Dr. Erdem Ergun
Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie
Sanatorium Hera
Löblichgasse 14
A-1090 Wien
Tel.: 0699/132 652 63
E-Mail
Homepage

Sendungsgast im Landesstudio Innsbruck:

Ao Univ.-Prof.in Dr.in Martina Kralinger
interim. Direktorin der Universitäts-Klinik für Augenheilkunde und Optometrie, Innsbruck
Anichstraße 35
A-6020 Innsbruck
Tel.: 0512/504/23720
E-Mail
Homepage

Weitere Anlaufstellen und Info-Links:

Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft: Altersbedingte Makuladegeneration
Ophthalmologische Nachrichten: Mediterrane Ernährung kann AMD-Risiko senken
AMD-Netz: Gentherapie bei Netzhautdegeneration
Arznei-News: Zimura
AMD-NETZ: Durchbruch bei der Erforschung altersbedingter Makuladegeneration
Wissenschaft.de: Hoffnung im Kampf gegen das Erblinden
Selbsthilfegruppe AMD-Netz Leben mit Makula-Degeneration
Gesundheit.gv.at: Diabetische Retinopathie
Selbsthilfegruppe Pro Retina Deutschland
Gesundheit.gv.at: Netzhautablösung
Video der Selbsthilfevereinigung Pro Retina Deutschland über Betroffene: Ich sehe nicht, was Du noch siehst

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